Bücher

[14/100] Henry James – Daisy Miller

Nummer 14 meiner 100-Bücher-Liste ist die Novelle Daisy Miller von Henry James aus dem Jahr 1878. James war ursprünglich Amerikaner, verbrachter aber viel Zeit in Europa, wo er ab 1875 lebte. Der Gegensatz von „altem“ Europa und „fortschrittlichem“ Amerika spielt in seinem Werk eine große Rolle und so auch in Daisy Miller.

Der Amerikaner Winterbourne, aus dessen Perspektive auch erzählt wird, lernt in der Schweiz die junge amerikanische Frau Daisy Miller kennen, die mit ihrem Bruder und ihrer Mutter auf Europareise ist.
Winterbournes Tante hält von Daisy nicht viel, verabscheut sie sogar, um genau zu sein. Ihr Benehmen sei unanständig und nicht gesellschaftlich akzeptabel. Was ihr missfällt ist, dass Daisy sich in keiner Weise an die althergebrachten sozialen Konventionen hält. Daisy ist offen und neugierig, dazu flirtet sie mit beinahe jedem.

Ich krieg‘ hier nirgends Bonbons – amerikanische Bonbons, mein‘ ich. Amerikanische Bonbons sind die besten Bonbons.

Könnte von Donald Trump stammen, ist aber von Daisy Millers Bruder.

Ein paar Monate später begegnen sich Winterbourne und die Millers in Rom erneut. Daisy hat den jungen Italiener Giovanelli kennengelernt, von dem sie selbst ganz begeistert ist, den jeder andere jedoch für einen miserablen Einfluss hält.
Die high society und vor allem die Exilamerikaner halten das Verhältnis der beiden für skandalös und grenzen Daisy aus. Für Daisy aber kein Grund, Giovanelli aufzugeben.
Ein nächtlicher Besuch im Kolosseum hat für Daisy ein – vorsichtig ausgedrückt – unangenehmes Ende.

Amerika trifft auf Europa

Die Unterschiede in den Sitten von Amerikanern und dem „alten Kontinent“ – ein beliebtes Thema der Literatur des späten 19. Jahrhunderts und so auch in Henry James‘ Novelle Daisy Miller, wie auch in einigen seiner anderen Werke.

Europareisen waren bei reich gewordenen amerikanischen Familien sehr beliebt, der „alte Kontinent“ hatte trotz aller Vorzüge der „neuen Welt“ starke Anziehungskraft. Manche Amerikaner nahmen sich die Sitten der europäischen high society zum Vorbild und hielten sich streng an das „was sich gehört“.
Daisy Miller fällt definitiv nicht in diese Kategorie. Sie ist in ihrem Umgang mit „unangebrachten“ Personen deutlich lockerer und offener als z.B. Winterbournes Tante. Daisy flirtet gerne, sie ist sprunghaft und neugierig, es ist schwer einzuschätzen, was sie wirklich will. Damit macht sich damit selbst in gewissen Kreisen zur gemiedenen Außenseiterin.

In Daisy Miller trifft Jung auf Alt. Amerika trifft auf Europa, Daisy auf Winterbourne, bzw. die europäischen Konventionen, Neugier auf Althergebrachtes.

Die Erzählung folgt dabei der Perspektive Winterbournes, der sich einerseits von Daisy’s Zauber einnehmen lässt, andererseits auch die scheinbare Unangemessenheit ihres Verhaltens bemerkt. So muss der Leser selbst entscheiden, wie er Daisy bewertet.

Daisy Miller ist eine unterhaltsame Novelle, gewürzt mit gelegentlichen Sticheleien, die sich angenehm lesen lässt.
Ein anderer empfehlenswerter Text, in dem die Gegensätze der zwei Kontinente aufeinander treffen und über den ich hier schon geschrieben habe, ist Oscar Wildes Das Gespenst von Canterville.

Sie sind grauenhaft gewöhnlich. Sie gehören zu der Sorte Amerikaner, die zu ignorieren geradezu eine Pflicht ist.

Henry James – Daisy Miller

Die Daten zum Buch

Autor: Henry James
Titel: Daisy Miller
Jahr: 1878
Seiten: 128
Verlag: dtv
Übersetzerin: Britta Mümmler
Kaufen: Verlag | Amazon (Affiliate-Link)

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu:

Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du diese Seite benutzt, gehe ich davon aus, dass du damit einverstanden bist. Datenschutzinformationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen