Bücher

[6/100] Friedrich Dürrenmatt – Der Richter und sein Henker

Wir sind beim sechsten von hundert Büchern angelangt. Der Richter und sein Henker war leider das erste, das mich nicht begeistern konnte. In diesem Beitrag versuche ich herauszufinden, warum.

 

Eine Leiche am Straßenrand

Ulrich Schmied, Polizeileutnant aus Bern, wird erschossen in seinem Mercedes gefunden. Sein Vorgesetzter, der alte Kommisar Bärlach nimmt die Suche nach dem Mörder auf. Da Bärlach unter gesundheitlichen Problemen leidet (ihm bleibt nur noch ein Jahr zu leben), zieht er den Beamten Tschanz zur Unterstützung bei diesem Fall herbei und überlässt ihm den Hauptteil der Ermittlungen.

Tschanz findet relativ schnell einen Verdächtigen: Den mysteriösen Herrn Gastmann. Doch natürlich muss dem der Mord erst einmal nachgewiesen werden. Am Ende steht ein Gewirr aus Intrigen, das weit in die Vergangenheit zurückreicht.

Ein Auszug aus Kapitel 7: 

Da hatte er ein sonderbares und unheimliches Erlebnis, das ihn nachdenklich stimmte. Er war schnell gefahren und sah plötzlich in der Tiefe den See aufleuchten, einen mächtigen Spiegel zwischen weißen Felsen. Er mußte den Tatort erreicht haben. Da löste sich eine dunkle Gestalt von der Felswand und gab deutlich ein Zeichen, der Wagen solle anhalten.
Tschanz stoppte unwillkürlich und öfnete die rechte Wagentüre, obgleich er dies im nächsten Augenblick bereute, denn es durchfuhr ihn die Erkenntnis, daß, was ihm jetzt begegnete, auch Schmied begegnet war, bevor er wenige Atemzüge darauf erschossen wurde.

Friedrich Dürrenmatt: Der Richter und sein Henker

Schwer zugänglich und zum Teil wirr

Der Richter und sein Henker ist ein Buch, mit dem ich leider nicht so recht warm geworden bin. Trotz des geringen Umfangs von gerade mal 120 Seiten bin ich nur relativ langsam vorangekommen. Immer wieder bin ich geistig abgeschweift, oder habe zuvor passiertes vergessen. Ich bekam die Geschichte nicht zu fassen, mir hat der Zugriff gefehlt.

Zumindest das Ende war dann aber zufriedenstellend und hat einiges gerettet. Die Auflösung kam überraschend, war interessant und konnte einiges an Klarheit auf das Vorherige scheinen.

Nun ist die Frage natürlich, warum das so war. Obwohl es schwierig ist, einen Text zu analysieren, von dem man sich wenig merken konnte, will ich es zumindest versuchen. Was war es nun, das für meine Probleme mit der Geschichte gesorgt hat?

Ich vermute, dass einer der Hauptgründe das Erzähltempo war. Ich habe bereits erwähnt, dass Der Richter und sein Henker realtiv kurz ist. Dadurch ist natürlich wenig Platz für Hintergrundinformationen und Details. Zu oft habe ich mich gefragt „Warum gehen sie jetzt da und dort hin?“, oder „Wer war jetzt der nochmal?“ Figuren werden abrupt und mit wenigen Informationen eingeführt, plötzlich steht ein neuer Name im Raum. So wird im dreizehnten Kapitel plötzlich relativ zusammenhanglos „Der Schriftsteller“ verhört, eine Szene, die mir bis jetzt ein Rätsel ist.

Der Richter und sein Henker scheint ein Buch zu sein, das beim zweiten Mal lesen besser ist. Nämlich dann, wenn man Zeit und Muße hat, den Blick auf die eingewebten philosophisch-moralischen Strukturen zu lenken, auf die schriftstellerischen Techniken, sowie auf subtile Anspielungen. Bärlachs Handeln bietet durchaus Anlass, Fragen nach Recht und Gerechtigkeit aufzuwerfen. Dann scheint der Roman tatsächlich das Potential zu haben, das Meisterwerk zu sein, als das ich ihn oft bezeichnet gesehen habe.
Doch das ändert nichts daran, dass sich die Geschichte beim ersten Mal lesen, bei dem es mir vor allem um den Plot geht, für mich unrund und schwer zugänglich angefühlt hat.
Vielleicht tue ich dem guten Friedrich Dürrenmatt auch Unrecht und war einfach nur unkonzentriert und müde. Entscheidet am besten selbst.

Die Ausgabe im Diogenes-Verlag kommt mit einem umfangreichen Anhang, der neben Daten auch Rezensionen zur Erstausgabe, sowie vier Aufsätze/Interpretationen enthält.

 

Daten zum Buch
Autor: Friedrich Dürrenmatt
Titel: Der Richter und sein Henker
Jahr: 1951
Seiten: 182
Verlag: Diogenes
Kaufen: Amazon (Affiliate-Link) 

Der Henker, den ich ausersehen habe, wird heute zu dir kommen.

 

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu:

Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du diese Seite benutzt, gehe ich davon aus, dass du damit einverstanden bist. Datenschutzinformationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen