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[7/100] H.G. Wells – Der Krieg der Welten

Science-Fiction ist normal keines der Genres, in denen ich mich bewege. Wenn schon, dann also gleich einen der Science-Fiction-Romane überhaupt. H.G. Wells‘ Der Krieg der Welten gilt als Pionier. Mehr dazu erfahrt ihr in diesem Beitrag.

 

Unerwünschter Besuch

„Der Mensch ist so eitel und von seiner Eitelkeit so geblendet, dass bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts kein Autor je den Gedanken geäußert hat, dass sich dort [=auf dem Mars] intelligentes Leben entwickelt haben könnte, schon gar nicht über das irdische Niveau hinaus.“

Das schreibt H.G. Wells ganz am Anfang von Der Krieg der Welten, das 1898 erschien. Das Buch ist einer der ersten und bis heute einer der bekanntesten Science-Fiction-Romane. Das Szenario, das Wells kreiert, ist grundlegend, es wurde vielfach adaptiert und verändert.

Die Grundzüge der Story sind schnell erzählt. Auf dem Mars gibt es intelligentes Leben. Sogar schon länger als auf der Erde. Das hat zur Folge, dass der Planet Mars langsam „erschöpft“ ist, es geht mit der Energie des Planeten zuneige. Der Mars kühlt langsam ab, die Marsianer sind also Klimaflüchtlinge – Irgendwie witzig, angesichts dessen, dass heute darüber nachgedacht wird, ob der Mars bewohnbar gemacht werden kann, falls die Menschheit einmal „ausweichen“ muss.

Es gibt ein paar Unterschiede zwischen Mars und Erde, so ist z.B. die Atmosphäre auf dem Mars anders und dementsprechend hat sich das Leben dort anders entwickelt, die Wesen sehen anders aus als wir Menschen. Vor allem aber sind sie den Menschen technisch haushoch überlegen, was diese zu spüren kriegen werden.

Eines Tages fallen in England, in der Nähe des Hauses unseres namenlosen Erzählers und Berichterstatters, seltsame Zylinder vom Himmel. Als sie sich öffnen kommen aus ihnen seltsame Wesen aus Aluminium, die Kriegsmaschinen der Marsianer. Sie haben drei Beine, sind riesig groß und besitzen eine Waffe, die Hitzestrahlen verschießt. Wir kennen solche Wesen aus anderen Science-Fiction-Szenarien, was zeigt, wie sehr Wells die Vorstellungen davon geprägt hat.

Die Menschheit ist zunächst noch gelassen, denn es sind nur wenige und die irdischen Armeen werden es schon richten. Wenn wir uns klar machen, dass Wells natürlich nicht unsere heutige Militärmaschinerie, sondern das Militär des 19. Jahrhunderts vor Augen hatte, das sich mit altmodischer Artillerie und Kavallerie diesen High-Tech-Maschinen entgegenstellt, wird der Kontrast noch krasser. Dazu verbreiten sich die Nachrichten von der Invasion langsam und sehr ungenau, denn selbstverständlich gibt es noch weder Smartphones, noch Telephonie.

Die Menschen sind heillos unterlegen, ihre Truppen werden geradezu ausradiert. Gegen Hitzestrahlen und Gaswaffen haben sie keine Chance. Ihnen bleibt nur die heillose Flucht, denn die Marsianer marschieren auf London zu.

Ein Auszug aus Kapitel 7: 

An meine eigene Flucht kann ich mich kaum erinnern, ich weiß nur, dass ich gegen Bäume prallte und durch das Heidekraut stolperte. Die unsichtbaren Schrecken der Marsianer zogen sich um mich zusammen; das gnadenlose Hitzeschwert schien über mir hin und her zu wirbeln und drohte mich zu vernichten. Ich kam zur Straße nach Woking und rannte zum Kreuzweg.
Dann konnte ich nicht mehr weiter; ich war von meinen heftigen Gefühlen und meiner Flucht erschöpft, strauchelte und fiel in den Straßengraben.

H.G. Wells: Der Krieg der Welten

Die Menschen sind panisch auf der Flucht, von der anfänglichen Gelassenheit bleibt wenig übrig. Sie wurden vom Thron der Nahrungskette gestoßen, sind nun wie Ameisen, die in ständiger Furcht vor stärkeren Wesen leben müssen. Aus den Jägern wurde Beute.

Unser Protagonist wird in der Nähe einer marsianischen Basis verschüttet und kann, bzw. muss, so die Marsianer aus der Nähe studieren. Mit ihm verschüttet wurde ein Pfarrer, der angesichts dessen, was beide beobachten, den Verstand verliert. Die Atmosphäre ist beklemmend und angespannt, pure Hilflosigkeit dominiert angesichts der überall herrschenden Vernichtung.

Werden die Invasoren die Herrschaft über die Erde übernehmen, oder haben die Menschen doch noch eine Chance sich zu retten? Wenigstens eine klitzekleine?

Ein produktiver Visionär

Wir folgen der Geschichte mit dem Blick eines Beobachters, der zur gleichen Zeit versucht, sein Leben zu retten und dabei versucht, sich einen Reim auf die seltsamen Wesen zu machen. Unser Erzähler (für eine Episode folgen wir auch seinem Bruder) beschreibt die Invasion der Maschinen und die Reaktion der Menschen. Er bewegt sich zwischen Neugier, Erstaunen, Panik und ohnmächtiger Hilflosigkeit. Gemeinsam mit ihm studieren wir die Marsianer. Der Krieg der Welten wird so zu einem spannenden und interessanten Zukunftsszenario.

Wie alle mir bekannten Klassiker-Neuübersetzungen von Lutz-W. Wolff bei dtv ist auch diese sprachlich sehr gelungen. Die Ausgabe bietet einen hilfreichen und interessanten Anhang mit zahlreichen Anmerkungen und Hintergrundinformationen zum Text, ein Grund, warum ich die Reihe mit Klassiker-Neuübersetzungen bei dtv so mag. Einen weiteren Bonuspunkt gibt es diesmal auch für das gelungene Cover.

Was ich nicht wusste und durch den Anhang erfahren habe, war, wie unfassbar viel H.G. Wells geschrieben hat. In Deutschland kennen wir ihn vor allem durch seine Science-Fiction-Texte aus seiner frühen Schaffensperiode. Wells hat aber auch sehr viele utopische, dystopische und allgemein politische Texte geschrieben. Die Liste seiner Werke ist erstaunlich lang und ich beneide ihn um seine Produktivität. Ich bin mir sicher, dass Der Krieg der Welten nicht das letzte Buch des Autors war, das ich gelesen habe, denn es hat mir gut gefallen.

 

Die arme Frau schien zu glauben, dass die Franzosen und die Marsianer einander sehr ähnlich seien.
Daten zum Buch
Autor: H.G. Wells
Titel: Der Krieg der Welten
Jahr: 1898
Seiten: 320
Verlag: dtv
Übersetzer: Lutz-W. Wolff
Kaufen: Amazon (Affiliate-Link) 

 

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