Alexandre Dumas – Die drei Musketiere
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Einer für alle, alle für einen!

Würde er Die drei Musketiere heute erfinden, würde Alexandre Dumas dann noch immer einen Roman daraus machen? Ich halte es für wahrscheinlicher, dass er die Geschichte als Serie an Netflix oder Amazon verkaufen würde. Davon abgesehen, dass die Geschichte sowieso in Episoden erschienen ist, wäre es lukrativer und Dumas war Zeit seines Lebens daran interessiert, mit seinen Texten Geld zu verdienen. Vor allem aber auch deshalb, weil d’Artagnan und seine Kameraden derart bunte Charaktere sind, dass sie für mehrere Staffeln Bingewatching wie geschaffen sind.

Der Inhalt: d’Artagnan der Glückspirat

Im Jahr 1625 macht der junge d’Artagnan sich auf nach Paris, um dort als Mitglied bei den Musketieren der Garde Ludwigs XIII zu werden. Unterwegs lässt sich der Heißsporn in ein Duell verwickeln, in dem ihm sein Empfehlungsschreiben gestohlen wird. d’Artagnan weiß wie der Dieb aussieht, doch seinen Namen kennt er nicht.

Ohne den Brief hat er keine Chance, bei den Musketieren aufgenommen zu werden. Nachdem er von Hauptmann de Tréville abgewiesen wird, schafft d’Artagnan es erneut, zum Duell herausgefordert zu werden – sogar ganze drei Mal. Zur Überraschung aller schlägt er sich gegen die drei erfahrenen Musketiere Athos, Porthos und Aramis mit Bravour. Das bringt ihm deren Hochachtung ein.

Weil Duelle eigentlich verboten sind, versuchen Mitglieder der Kardinalsgarde die vier Kämpfer zu verhaften. Kardinalsgarde und Königsgarde stehen seit jeher miteinander in Konflikt. Zusammen mit d’Artagnan gehen Athos, Porthos und Aramis jedoch aus Sieger aus der folgenden Auseinandersetzung hervor. Von nun an sind die vier in tiefer Freundschaft verbunden. Und Hauptmann de Tréville vermittelt d’Artagnan einen Posten im Infanterieregiment der Garde.

Wir haben uns ein für allemal blindes Vertrauen und bedingungslose Ergebenheit geschworen. Überdies könnt Ihr ihnen ja sagen, daß Ihr volles Vertrauen in mich setzt, dann werden sie mir nicht minder trauen als Ihr.

Alexandre Dumas – Die drei Musketiere

Was folgt, das ist eine Reihe wilder Abenteuer, denn d’Artagnan ist als Charakter viel zu lebendig und zu ehrgeizig, um ein gewöhnliches Soldatendasein zu fristen. Geld, Wagemut, Politik und natürlich die Liebe machen sein Leben turbulent.

Wenn es schon seine Geliebten nicht sind, ist doch zumindest Fortuna dem Helden unserer Geschichte hold. Und dieses Glück kann er gut gebrauchen, denn d’Artagnan, die drei Musketiere und ihre treuen Diener finden sich inmitten versteckter Intrigen am königlichen Hof wieder. Zwischen dem König, Königin Anna, Kardinal Richelieu, Lord Buckingham und der mysteriösen Adligen, die man nur Mylady nennt, spinnt sich ein Netz aus geheimen Machenschaften.

„Nun, Eure Hand, junger Mann, vielleicht treffen wir uns bald auf dem Schlachtfeld, aber bis dahin werden wir, so hoffe ich, als gute Freunde auseinandergehen.“

„Ja, Mylord, aber in der Hoffnung, bald Feinde zu werden.“

„Seid unbesorgt, ich verspreche es Euch.“

Alexandre Dumas – Die drei Musketiere

Die drei Musketiere: Athos, Porthos und Aramis

Athos

Athos und seine Vergangenheit umgibt ein Geheimnis, das für unsere Geschichte am Ende große Bedeutung hat. Er hat sein altes Leben als Adeliger zurückgelassen, um Musketier zu werden.

Athos wirkt ruhiger, stabiler und um einiges überlegter als die anderen der vier Kameraden. Er wäre mit einem unaufgeregten Leben zufrieden.

Sein Leibdiener heißt Grimaud.

Porthos

Porthos ist ein charmanter Lebemann. Er ist etwas impulsiv und liebt Wein, gutes Essen und Frauen. Ein solches Leben ist teuer und Porthos braucht ständig Geld.

Um seine Geldsorgen zu lösen, nutzt er ohne Scham sein gutes Aussehen und seinen natürlichen Charme, um der reichen Madame Coquenard das Vermögen ihres gebrechlichen Ehegatten abzuluchsen.
Trotz seiner Fehler ist Porthos ein tapferer und treuer Gefährte.

Sein Diener heißt Mousqueton.

Aramis

Aramis hat das Priesterseminar verlassen, um sich den Musketieren anzuschließen. Der Hauptgrund für diese Entscheidung war eine unbekannte Geliebte vom Hof der Königin.

Häufig kokettiert Aramis mit dem Gedanken, seinen Militärdienst abzubrechen und doch Kleriker zu werden. Unter den vier Kameraden ist er der religiöse, vertrauenswürdige.

Sein Diener ist Bazin, der sich nach einem Leben als Geistlicher sehnt.

Mein Fazit: Bestes Entertainment dank vier wunderbarer Charaktere

Ich verstehe generell jeden, der bei einem Buch mit 752 Seiten zunächst einmal „Nein, danke“ sagt. Sogar noch mehr, wenn man erfährt, dass es ein Klassiker ist, die ja doch den Ruf haben, gerne mal etwas sperrig zu sein.

Doch hier kann ich skeptische Leser beruhigen: Hört auf zu zögern und greift beruhigt zu. Die drei Musketiere bietet erstklassiges Entertainment, nicht umsonst hat der Roman bis heute überlebt.

Die Geschichte will in erster Linie nichts weiter sein als ein unterhaltsames Abenteuer und diese Aufgabe erfüllt sie ganz großartig. Die Figuren sind in ihrer Impulsivität, ihrem Wagemut und ihrer ritterlichen Attitüde bis ins Komische überzeichnet, aber nicht so weit als dass sie Clowns wären.

Wir müssen d’Artagnan und seine drei Kameraden Glücksritter nennen. In ihnen brennt die Zuversicht, jede Situation meistern zu können. Viel schlimmer als der Tod wäre es für sie, ihr Gesicht und ihre Ehre zu verlieren – davon, es möglicherweise gar vor einer Dame zu verlieren, wollen wir gar nicht erst sprechen.

Für uns Leser ist diese Einstellung ein Segen, denn so begleiten wir unsere Helden, wie sie sich in eine Gefahr nach der anderen stürzen, stets im Kampf für das Gute, Ruhm und Ehre. Und weil mindestens einer der Vier für jeden Leser irgendwo einen Anknüpfungspunkt bietet, können wir gar nicht anders, als mitzufiebern, wie sie sich mit Kreativität oder Glück aus der nächsten Bredouille befreien.

Kostet das Huhn und die Fische, die ich bei meinem Ehrenwort nicht habe vergiften lassen. Ich bin mit meinem Koch zufrieden, und da er nichts von mir zu erben hat, so setze ich volles Vertrauen in ihn. Macht es wie ich. Gott befohlen, liebe Schwägerin. Bei Eurer nächsten Ohnmacht sehen wir uns wieder.

Alexandre Dumas – Die drei Musketiere

Das Buch ist im Übrigen auch deshalb so gut und flüssig zu lesen, weil Dumas es in einzelnen Episoden veröffentlicht hat. Kapitel für Kapitel erschien es in einer französischen Zeitschrift und musste den Lesern immer etwas bieten, um auch die nächste Ausgabe wieder kaufen zu wollen. Der Roman konnte es sich also gar nicht erst leisten, irgendwann langatmig zu werden.

Dass man dem Roman sein Alter nicht anmerkt, hängt auch mit der deutschen Fassung von Michaela Meßner zusammen. 2002 hat sie eine ältere Übersetzung von August Zoller komplett überarbeitet. Antiquierte Formulierungen oder Satzstellungen sucht man vergebens. Es gibt Bücher aus dem Jahr 2020, die weit holpriger zu lesen sind. Der Atmosphäre der Geschichte tut das aber keinesfalls Abbruch. Daumen hoch.

Der Autor: Alexandre Dumas der Ältere

Alexandre Dumas der Ältere
(© public domain)

Alexandre Dumas (1802 – 1870) war ein französischer Autor. Auch wenn er keine besondere Schulbildung besaß, entdeckte er früh sein Talent als Schriftsteller. Bekannt wurde er zunächst mit Dramen, bevor er sich auf das Schreiben von Romanen verlegte.

Dumas schrieb nicht alleine, vielmehr produzierte er seine Bücher mit einigen Angestellten in Serienproduktion. Obwohl das Geschäft gut lief, hatte er durch andere Aktivitäten immer wieder Probleme mit Schulden. Häufige Elemente seiner Werke sind pseudohistorische Figuren, die zusammen mit tatsächlich historischen Figuren Abenteuer erleben.

Verschiedene Titel des Autors (Auswahl):

  • Der Graf von Monte Christo
  • Die Bartholomäusnacht
  • Die schwarze Tulpe

Daten und Links zum Buch

  • Autor: Alexandre Dumas (der Ältere)
  • Titel: Die drei Musketiere
  • Originaltitel: Les trois mousquetaires
  • Übersetzerin: Michaela Meßner
  • Verlag: dtv
  • Seiten: 752
Cover zu Alexandre Dumas - Die drei Musketiere

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