Christoph Poschenrieder – Mauersegler
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Fünf alte Freunde gründen zusammen eine WG in einer Villa am See. Das „alt“ ist wörtlich zu nehmen, denn bei den fünf handelt es sich allesamt um Senioren. Alle haben sie eine erfolgreiche Karriere in verschiedenen Feldern hinter sich. Es versteht sich von selbst, dass jeder dieser Herren seine Eigenheiten hat.
Das Ziel der WG ist es, gemeinsam den Tod zu erwarten. Bald ist ein Pakt geschlossen, sich gegenseitig Sterbehilfe zu leisten, sobald einer von ihnen entscheidet, dass für ihn Schluss ist. Ein extra geschriebenes Computerprogramm soll dabei helfen.
Mauersegler ist ein anderer Blick auf das Thema Tod.

Todesengel.exe v0.9

Obwohl das Thema in Mauersegler an sich kein erfreuliches ist, hat das Buch keinen düsteren Ton. Der Erzähler, einer der fünf Alten, blickt mit einem leichten Schmunzeln auf die Situation, von Zeit zu Zeit wird er auch ein wenig melancholisch. Angesichts dessen, dass er das Ende kommen sieht, sei ihm das erlaubt.

Hinter dem lockeren Ton verbirgt sich ein ernstes Thema: Der selbstbestimmte Umgang mit dem eigenen Ableben. Sobald einer der Freunde dem Computer das Signal gibt, dass es vorbei ist, erhält ein anderer, vorher ausgewählter, eine Nachricht, dass er zum Todesengel werden soll. Automatisiert und doch nicht vom Menschen unabhängig. Aktive Sterbehilfe unter Freunden – Nicht legal, aber ist es vielleicht trotzdem richtig? Unterstützung gibt es gegen gewisse Zuwendungen vom eingeweihten Dorfarzt. Und wie ist diese Situation für den „Todesengel“? Mauersegler thematisiert diese Dinge ohne dass man beim Lesen depressiv wird.

Der Mauersegler legt die Flügel an und will nicht mehr fliegen. So soll es auch mit mir zu Ende gehen.

Christoph Poschenrieder – Mauersegler

Nach und nach vollzieht sich in der Rentner-WG der Generationenwechsel. Irgendwann wird es nötig, sich eine Pflegekraft anzuheuern. Es ist schwer, Fachkräfte zu finden, doch schließlich findet die WG Katarina aus Kirgisistan. Als die Zahl der alten Herren sich immer weiter dezimiert, beginnt Katarina Waisenkinder aus ihrer Heimat nachzuholen. Der Generaltionenwechsel in der Seevilla ist perfekt.

Ein Fall von Demenz oder Alzheimer war nicht vorgesehen, in diesem System. Wir hatten den heroisch Sterbenden im Kalkül. Nicht den langsam verlöschenden.

Christoph Poschenrieder – Mauersegler

Der Autor: Christoph Poschenrieder

Christoph Poschenrieder (© Daniela Agostini + Diogenes Verlag)
Christoph Poschenrieder (© Daniela Agostini + Diogenes Verlag)

Christoph Poschenrieder (*1964) ist ein deutscher Autor. Er studierte Philosophie und Journalismus bevor er zunächst als Journalist arbeitete. Seit 2010 erscheinen seine Bücher bei Diogenes.

Über ihn ist öffentlich wenig bekannt. Häufige Bestandteile seiner Werke sind Schopenhauer-Zitate und historische Settings.

Verschiedene Titel des Autors (Auswahl):

  • Das Sandkorn
  • Kind ohne Namen
  • Der Spiegelkasten

Daten und Links zum Buch

  • Autor: Christoph Poschenrieder
  • Titel: Mauersegler
  • Verlag: Diogenes
  • Seiten: 220
Cover zu Christoph Poschenrieder - Mauersegler

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