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Felicitas Hoppe – Hoppe

Dieser Beitrag stellt mich vor eine Herausforderung. Es ist nämlich der erste, den ich über ein Buch schreibe, das ich mittendrin abgebrochen habe. Wie also gebe ich halbwegs fair meinen Eindruck von Felicitas Hoppes Hoppe weiter?
Eine Spurensuche, was dieses Buch ausmacht und weshalb es mich gelangweilt hat.

Felicitas Hoppe schreibt über sich selbst. Beziehungsweise eben nicht. Oder doch? Genau weiß man es nicht, denn wenngleich man bei einem Buch von Hoppe über Hoppe eine Art Autobiografie erwarten würde, ist es eben das nicht.

Doch was ist Hoppe dann? Auf dem Cover wird das Buch als Roman bezeichnet, innen scheint es eine Biografie zu sein. Nur dass das mit dem Realitätsgehalt eben schwierig ist. Aber nochmal etwas genauer:

In Hoppe schreibt Hoppe über Hoppe.

Man könnte sagen, dass Hoppe eine Art Fantasiebiografie ist. In dritter Person schreibt die Autorin Felicitas Hoppe über eine andere Felicitas Hoppe. Reale und erfundene Biografie haben zwar Berührungspunkte, sind aber doch verschieden. Die Kindheit in Hameln wird in Hoppe eine Erfindung genannt. Vielmehr sei Hoppe in Kanada aufgewachsen, von ihrem Vater dorthin entführt.

Die Grenze zwischen Fakt und Erfindung verwässert so weit, dass sie völlig irrelevant wird. Erfundene Quellen und Zitate zur Biografie tun ihr übriges. Bisweilen werden dazu Anmerkungen in Klammern eingestreut, die wissenschaftliche Genauigkeit suggerieren sollen und das Spiel von Fakt und Erfindung auf die Spitze treiben.

Die heutige Hoppe spricht und Urteilt also, unterstützt von früheren Quellen und Zitaten über eine frühere Hoppe, die ebenfalls erfunden ist.
Wie viel dieser erfundenen Hoppe nun (heimliche) Träume der realen Hoppe sind, lässt sich nicht sagen. So oder so ist Hoppe eine Fiktion des eigenen Lebens.

Klingt zunächst also nach einem interessanten Konzept, doch, mit Verlaub, das Resultat ist ermüdend. Ich habe das Buch nach einem Kapitel (gut 80 Seiten) abgebrochen. Mein Lesetempo war auf die Hälfte des üblichen zusammengeschmolzen, dreimal sind mir die Augen zugefallen. Es hat mich gelangweilt, also habe ich mich entschieden, es mir zu ersparen, mich durch den Rest zu quälen.

Ist Hoppe ein Fall von Germanistenprosa?

Ein Blick auf die Kritiken zu Hoppe zeigt, dass das Buch polarisiert. Hoppe ist eines dieser Bücher, die von Germanisten und der sogenannten „professionellen“ Kritik gefeiert und mit Preisen bedacht werden (wir alle wissen, dass diese beiden Gruppen oft einen ganz eigenen Geschmack haben), das normale Publikum dafür eher wenig begeistern können.

Zu distanziert ist die Protagonistin, um irgendein Interesse an ihrer Geschichte aufkommen zu lassen. Zu sperrig die Sprache, mit gefühlt zwanzig Variationen von „Hoppe“ pro Seite, um einen vernünftigen Lesefluss entstehen zu lassen. Zu inkompatibel mit meinem Humor die angedeuteten Wortwitze, um Spaß zu machen.

Es steht außer Frage, dass dieses Spiel mit Fakten und Wunschtraum in der Lage ist, manche Leser zu faszinieren. Hoppe ist ein ästhetisches Spiel mit der Literatur und deren Status als Konstruktion. Literatur als Kunst, komplett fern von jeder Realität, aber doch irgendwie nah dran, um diesen Gegensatz sichtbar zu machen. Ein sehr experimentelles Buch also.

Doch wie bei moderner bildender Kunst ist es auch in diesem Fall so, dass man den Zugang dazu entweder hat, oder eben nicht. Bei mir war wie erwähnt zweites der Fall, weshalb mir auch das Geschriebene, dass sich ständig selbst im Kreis dreht, völlig gleichgültig ließ.

Macht euch am besten ein eigenes Bild.

Hoppe ist keine Autobiographie, sondern Hoppes Traumbiographie, in der Hoppe von einer anderen Hoppe erzählt.

Klappentext zu Hoppe

Die Daten zum Buch

Autor: Felicitas Hoppe
Titel: Hoppe
Jahr: 2012
Seiten: 336
Verlag: Fischer
Kaufen: Verlag | Amazon (Affiliate-Link)

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