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Jack London – Die Reise mit der Snark

Die Reise mit der Snark ist der Bericht Jack Londons über die Weltumseglung, die er 1907 mit seiner Frau geplant hatte. Die Umstände waren unglaublich und hätten 99% von uns zum Abbruch bewegt.

 

Jack London und der Traum von einem realen Abenteuer

Die Reise mit der Snark ist kein Roman, dessen muss man sich bewusst sein. Das Buch ist ein Reisebericht mit faszinierendem Hintergrund.

Es war der Traum Jack Londons und seiner Frau Charmian, die Welt auf einem eigenen Schiff zu umsegeln. Also ließ Jack London 1906 die Snark bauen, ein Segelschiff von 16,5 Metern Länge, mit einer Besatzung von meist um die 7 Personen. Nur leider ging dabei gefühlt alles schief, was schief gehen konnte.

Woran mir am meisten liegt, ist, eine persönliche Großtat zu vollbringen

Obwohl von vorneherein großzugig berechnet, explodierten die Baukosten (wie sollte es auch anders sein). Und natürlich kam es beim Bau zu den üblichen, ewigen Verzögerungen. Der Vertraute, der den Bau überwachen sollte, stellte sich als unzuverlässig heraus. Er hielt sich lieber in Kneipen auf.

Davon genervt beschloss Jack London, das Schiff, so wie es war, die erste Etappe von San Franzisco nach Honoloulu zu segeln und es dort reparieren und fertigstellen zu lassen. Es stellte sich heraus, dass der Bordmotor untauglich war, die Besatzung seekrank, der Proviant verdorben, viele Fugen undicht, das Schiff konnte nicht beidrehen. Das einzige, das es konnte, war fahren. Die Snark schaffte es, allen Umständen zum Trotz, Hawaii zu erreichen.

Menschen hatten uns betrogen und in einem Sieb aufs Meer hinausgeschickt, doch Gott muss uns geliebt haben, denn wir hatten ruhiges Wetter, und wir lernten, jeden Tag zu pumpen, um über Wasser zu bleiben, auch dass man einem Holzzahnstocher mehr vertrauen konnte, als jedem massiven Eisenstück, das sich an Bord befand.

Allein diese Dinge sind bereits ungeheuerlich. Noch bemerkenswerter wird es, wenn man sich vor Augen hält, dass Jack London an Bord nicht nur ständig schrieb, um die Reise zu finanzieren, er lernte auch Schiffsarzt, Zahnarzt und irgendwann Kapitän der Snark zu sein. Als die Snark tropische Gewässer im Pazifik erreichte, waren fast alle Crewmitglieder permanent krank. Den dritten Kapitän musste London bereits in Hawaii entlassen, und weil es für ein so kleiens Boot unmöglich war, eine kompetente Person zu finden, übernahm er die Aufgabe selbst und brachte sich während der Reise die Grundlagen der Navigation bei.

Es ist unglaublich, was für ein gefährliches und kraftaufwendiges Abenteuer die Reise mit der Snark gewesen sein muss. Die meisten von uns würden dieses Unternehmen als absolut verrückt abstempeln, ständig an der Schwelle zwischen Überleben und Tod. Wie viele Menschen würden ein solches Abenteuer wagen?

Die Reise mit der Snark besteht aus eben den Berichten, die Jack London schreib und an Zeitungen verkaufte, um während der Reise Geld zu verdienen. Er berichtet in erster Linie von den Widrigkeiten der Fahrt und vom Kontakt mit Land und Eingeborenen auf Hawaii und auf Pazifikinseln. Es ensteht ein Porträt, das verblüffend und interessant ist, doch muss man sich eben bewusst sein, dass man keinen Roman liest, sondern episodische Berichte vor sich hat, keinen durchgehenden Erzählfaden.

Seine Erkrankung wurde schließlich zu ernst, daher musste Jack London sich in ein Krankenhaus in Sydney bringen lassen. Die Reise musste abgebrochen werden, die Weltumseglung war gescheitert.

Im Krankenhaus, als ich Charmian mitteilte, dass ich nach Kalifornien zurückkehren müsse, brach sie in Tränen aus. Zwei Tage lang war sie am Boden zerstört und untröstlich, weil sie wusste, dass wir die glückliche, glückliche Reise nicht fortsetzen konnten.

Ein letztes Wort möchte ich noch zum Buch selbst schreiben. Ich war begeistert von der Qualität der Auflage. Das Papier ist hochwertig und sanft, das Schriftbild ist optisch ein Genuss. Der graublaue Leineneinband liegt hervorragend angenehm in der Hand und bildet einen würdigen Rahmen für ein wagemutiges Abenteuer.

Ein paar Fotos der Snark und der Besatzung gibt es übrigens auf dieser Seite. Zu sehen, wie klein das Schiff eigentlich ist, macht die Reise noch unglaublicher.

 

Auszug aus Kapitel 7: 

Als die Snark auf ihrem Weg nach Honolulu luvwärts entlang der Küste von Molokai segelte, warf ich einen Blick auf die Karte und zeigte dann auf eine flache Halbinsel, mit einer gewaltigen, zwischen sechshundert und zwölfhundert Meter hohen Felswand im Hintergrund, und sagte: „Das Höllenloch, der verfluchteste Ort auf Erden.“ Wie wäre ich in dem Moment erschrocken, hätte ich vorhersehen können, dass ich einen Monat später am verfluchtesten Ort auf Erden an Land gehen und eine schimpflich schöne Zeit verbringen würde, zusammen mit achthundert Leprakranken, die ebenfalls ihren Spaß hatten. Ihr Spaß war nicht schimpflich; meiner war es, denn es stand mir nicht zu, inmitten von so viel Elend Spaß zu haben. Also bekenne ich mich schuldig, und meine einzige Entschuldigung besteht darin, dass ich es nicht vermeiden konnte, Spaß zu haben.

Jack London: Die Reise mit der Snark

 

Daten zum Buch
Autor: Jack London
Titel: Die Reise mit der Snark
Jahr: 1911
Seiten: 350
Verlag: mare
Kaufen: Amazon (Affiliate-Link)

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