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Jack London – König Alkohol

In König Alkohol blickt Jack London auf die Abschnitte seines Lebenswegs zurück, die ihn in die Alkoholsucht geführt haben. Woran lag es, dass er, der sein Geld lieber für Süßigkeiten als für Alkohol ausgegeben hätte, irgendwann ohne Drink nicht mehr schreiben konnte?

 

Der Weg zum Trinker

Im Jahr 1911 stimmt Kalifornien über das Frauenwahlrecht ab. Jack London stimmt dafür. Sein Grund: Er ist sich sicher, dass die Frauen sich für ein Alkoholverbot einsetzen werden. Denn Jack London trinkt. Er trinkt seit früher Jugend und er trinkt mehr, als es für ihn gut ist. Er ist sich dessen bewusst, auch wenn er sagt:

Aber meine Geschichte ist nicht die Geschichte eines bekehrten Säufers. Ich bin nie ein Säufer gewesen und bin auch nicht bekehrt. 

König Alkohol sind seine „alkoholischen Memoiren“. Jack London erzählt uns, wie er im Lauf seines Lebens mit Alkohol in Kontakt gekommen ist, wie es kam, dass er zum Trinker wurde. Immer wieder nennt er die Gesellschaft als Grund. Wo Menschen zusammenkommen, dort wird getrunken. Es ist eine Form gesellschaftlichen Umgangs, das Schmiermittel der Gemeinschaft. Man will eine gute Zeit zusammen verbringen und so wird getrunken, auch wenn der Alkohol gar nicht schmeckt. Nein zu sagen wäre ein Affront gegen den, der die Runde ausgibt. Der physische Widerwille gegen den Alkohol wird der Gesellschaft wegen besiegt.

Schon mit fünf war Jack London zum ersten Mal betrunken. Er hat zu viel von dem Bier probiert, das er seinem Vater bringen sollte. Im Alter von sieben hat er es zum ersten Mal mit Wein zu tun. Weil der kleine Jack panische Angst hat, die Italiener, bei denen er eingeladen war, würden ihn mit einem Messer meucheln, wenn er den angebotenen Becher Wein nicht trinkt, kippt er ihn widerwillig auf Ex hinunter. Die Gastgeber sind begeistert von dem Wunderkind und bringen ihm einen Becher nach dem anderen, um ihn zu bestaunen. Jack trinkt Becher um Becher auf Ex.

Welchen Berufen auch immer er nachgeht, ob Austernpirat, Matrose, Goldgräber,… – wann immer es zu gesellschaftlichen Zusammenkünften kommt, wird getrunken und Jack London ist nicht in der Lage, nein zu sagen. Zu seinem Glück (oder Unglück) hat er einen starken Körper und große Ausdauer, er verträgt sehr viel. Wenn er trinkt, dann immer in Gesellschaft.

Ein Auszug aus Kapitel 7: 

Dabei argumentierte ich ungefähr so: Dass die Leute diesen ungenießbaren Wein mögen, ist ihre spezielle Verrücktheit. Nun ja, sollen sie. Über ihren Geschmack will ich nicht mit ihnen streiten. Aufgrund ihrer merkwürdigen Vorstellungen hängt meine Männlichkeit davon ab, ob ich so tue, als ob mir der Wein schmeckt. Also werde ich so tun. Aber ich werde nur so viel trinken, wie absolut nötig ist.

Jack London: König Alkohol

Später, als erfolgreicher Schriftsteller ändert sich etwas an seiner Einstellung. Er beginnt öfter zu trinken, mehr zu trinken und auch allein zu trinken. Jack London wird süchtig nach dem Gefühl, das ihm der Alkohol gibt. Doch zu den Wirkungen von Alkohol gehören tiefe Melancholie und Depressionen, die nihilistische „weiße Logik“. Und deshalb stimmt Jack London 1911 für das Frauenwahlrecht. Denn er ist sich sicher, die Welt würde ohne Alkohol besser dran sein.

Ein lebendiger Rückblick

König Alkohol, das ist John Barleycorn. John Barleycorn ist eine verharmlosende Bezeichnung für Whiskey. Dies sollte man wissen, um anfangs nicht verwirrt zu sein. Hier ist der Anhang mit Anmerkungen sehr hilfreich.
Durch diesen Kunstgriff, durchgehend von John Barleycorn als Person zu sprechen, werden Jack Londons alkoholische Memoiren lebendig. Zeitgleich spricht sich Jack London dadurch allerdings auch von eigener Schuld frei, distanziert sich. Der Alkohol, John Barleycorn ist wie eine andere, eine durchtriebene, Persönlichkeit mit eigenem Willen, die auf ihn wirkt und gegen die er machtlos ist.

Trotz aller Beteuerungen, es sei vor allem die Struktur der Gesellschaft, die ihn zum Trinken verleitet hat, ist König Alkohol nicht weinerlich oder apologetisch. Der Text trägt im Rückblick auf vergangene Ereignisse stets eine leichte Selbstironie in sich, was ihn unterhaltsam macht. Dazu hat Jack London bekanntlich ein unfassbar buntes Leben gelebt. Seine zahlreichen verschiedenen Berufe haben ihn weit herumgebracht. Seine Bereitschaft, sich widrigen Umständen auszusetzen, hat ihn zahlreiche Erfahrungen machen lassen.

König Alkohol ist voller Selbstreflektion, doch es ist keineswegs ein trauriges Buch. Was herauskommt, ist eine unterhaltsame (alkoholische) Lebensgeschichte, die trotz einer gewissen Wiederholung der grundlegenden Muster nie langweilig wird. (Können Memoiren eines Trinkers überhaupt trocken sein? *Badumm-tsss*)

 

Daten zum Buch
Autor: Jack London
Titel: König Alkohol
Jahr: 1913
Seiten: 287
Verlag: dtv
Übersetzer: Lutz-W. Wolff
Kaufen: Amazon (Affiliate-Link) 

War ich, ein Nichtalkoholiker, durch lange Übung zum Alkoholiker geworden?

 

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