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Jack London – Lockruf des Goldes

Lockruf des Goldes ist ein Roman, der in typischer Jack London-Manier philosophische Fragen über das Leben mit einer spannenden Geschichte verbindet, in der der Held sich selbst finden muss.

Der Inhalt: Ein legendärer Spieler

Burning Daylight ist ein Goldgräber am Yukon. Auch wenn er noch keinen Erfolg hatte, ist sein Ruf legendär. Keiner ist so stark und zäh wie er, Burning Daylight ist eine beinahe übermenschliche Figur. Für ihn ist das Leben ein Glücksspiel, er spielt gerne und schnell, will immer zu den Gewinnern gehören.

Das Leben ist ein großes Glücksspiel. Manche haben von Natur aus Glück, andere haben von Natur aus Pech. Alle sitzen am Tisch und jeder versucht den anderen auszunehmen.

Eines Tages setzt er auf die richtige Karte und verdient bei einem Goldfund Millionen. Danach verlässt er Alaska und betritt als Geschäftsmann in San Franzisco einen ganz anderen Spieltisch, dessen Regeln er zuerst noch lernen muss. Auch an diesem Tisch spielt er riskant und gewinnt. Doch trotz seiner Erfolge merkt er, dass dieses Leben nicht seiner Natur entspricht.

 

Auszug aus Kapitel 7: 

Daylight besaß Weitblick. Sein Sichtfeld war begrenzt gewesen, aber was er sah, sah er groß. Sein Verstand war geordnet, seine Vorstellungskraft praktisch, und seine Träume nie müßig. Wenn er in eine öde, schneebedeckte, baumbestandene Ebene eine fiebrige Metropole projizierte, dann tat er das im Hinblick auf einen Goldfund, der das alles erst möglich machte. Als Nächstes dachte er an Landungsstege, Sägemühlen und Warenhäuer und alle übrigen Bedürfnisse einer nördlichen Goldgräberstadt. Aber das alles war nur der Schauplatz für etwas Größeres, ein Spielfeld für sein Temperament. Es wimmelte nur so vor Chancen in den Straßen und Häusern, den zwischenmenschlichen und den Geschäftsbeziehungen seiner Traumstadt. Sie war ein einziger großer Spieltisch, und das Limit war nur der Himmel, auf der einen Seite das Südland und auf der anderen das Nordlicht. Das Spiel würde groß sein, viel größer als irgendjemand am Yukon sich das je hatte vorstellen können, und er, Burning Daylight, würde dabei sein.

Jack London: Lockruf des Goldes

 

Kurzeinschätzung

Manche mögen am Roman die „zu übermenschliche“ Figur des Burning Daylight kritisieren, aber für mich ist dieser Punkt weniger wichtig und hilft nur dabei, den eigentlichen Kern der Geschichte hervorzuheben. Die Geschichte selbst ist von Anfang bis Ende spannend.
Auch diese Neuübersetzung von Lutz Wolff ist phantastisch. Der Stil ist eingänglich und fesselnd.

 

Bei Dieben gibt es eine Ganovenehre, das unterscheidet sie von Ehrenmännern.

Jack London – Lockruf des Goldes

Die Daten zum Buch

Autor: Jack London
Titel: Lockruf des Goldes
Jahr: 1910
Seiten: 415
Verlag: dtv
Übersetzer: Lutz-W. Wolff
Kaufen: Verlag | Amazon (Affiliate-Link)

Welches Leben ist erfüllend?

(Enthält kleinere Spoiler, aber nichts tragisches)

Es ist typisch für Jack London, dass die philosophische Frage, danach, was ein gutes und erfüllendes Leben ist, mit einer abenteuerlichen Geschichte verbunden wird. In Lockruf des Goldes begleiten wir die Hauptfigur über Jahre hinweg und verfolgen seine Entwicklung. Viele Szenen aus seinem Leben lesen sich daher wie ein Bericht und gerafft, an anderen Stellen – den für die philosophische Aussage wichtigeren – wird die Erzählung detaillierter.

Während seiner jungen Jahre als Goldgräber in Alaska ist Burning Daylight ein wahrer Übermensch. Das ein oder andere Mal sprengt er zugegebenermaßen die Grenzen dessen, was man als Leser noch als realistisch akzeptieren kann. Aber das macht nichts, es sorgt für die nötige Fallhöhe. Dieser „Superheld“ ist während des Goldrausches beeindruckenden Strapazen ausgesetzt. Sein Kampf gegen die Natur ist gnadenlos. Doch seine eigene Kraft und Ausdauer machen es ihm möglich, sich diesen Kampf zu stellen und ihn zu gewinnen. Sein Leben und sein Erfolg hängen von ihm selbst und der eigenen Leistung ab und Burning Daylight ist damit sehr glücklich.

Burning Daylight verdient am Yukon Millionen, doch er zieht sich nicht aufs Altenteil zurück. Er ist ein Spieler, der nun den Tisch wechselt, weg vom Goldgräberleben in der Wildnis von Alaska, hin zum Geschäftsleben und die Welt der Hochfinanz im zivilisierten Kalifornien. (Nebenbei angemerkt: Ich habe etliche Parallelen zwischen Burning Daylight und der Biografie von Dagobert Duck entdeckt.)

Das einzige, wovor er im Leben je Angst gehabt hatte, waren Frauen – vor denen allerdings sein ganzes Leben.

Auch in Kalifornien lernt Burning Daylight die Regeln des Spiels, das er spielen will und behauptet sich gut. (Abgesehen vom Spiel der Liebe, das er ganz und gar nicht beherrscht und bei dem dieser Übermensch sich sehr hölzern, beinahe hilflos anstellt.)
Doch etwas ist anderes als in Alaska. Die Zivilisation verändert ihn, macht ihn weich und schadet seinem Charakter. Er flüchtet sich in Alkohol. Bei einem Ausritt aufs Land merkt er, dass es harte und ehrliche körperliche Arbeit sind, die ihm fehlen, er vermisst es, entsprechend seiner Natur zu leben.

Den Kontrast von Natur und Zivilisation finden wir bei Jack London ständig, zum Beispiel auch in Ruf der Wildnis, oder Der Seewolf. Und auch im Schicksal Burning Daylights finden wir die Antwort Jack Londons darauf, was ein Leben ist, dass der menschlichen Natur entspricht, das den Menschen glücklich macht und mit dem man sich lebendig fühlt. Heutzutage haben wir uns durch die Digitalisierung noch weiter von der Natur entfernt, viele Menschen verspüren eine innere Sehnsucht nach Natürlichkeit, was die Ansichten Jack Londons umso interessanter macht.

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