Theorie

Jack London über Produktivität und gutes Schreiben

Jack London war nicht nur ein kommerziell sehr erfolgreicher, sondern auch ein äußerst produktiver Autor. Innerhalb von nur 18 Jahren veröffentlichte er über 50 verschiedene Bücher, 27 davon Romane.
1903 veröffentlichte er im
Editor den Artikel „Getting into Print„, in dem er Empfehlungen für aufstrebende Schriftsteller und Journalisten gab.

Ich lasse hier die Teile beiseite, die sich damit beschäftigen, Artikel für Zeitschriften zu verkaufen und konzentriere mich auf die Teile, die sich auf Produktivität und das Schreiben im Allgemeinen beziehen.

Die meisten Aspekte treffen nicht nur auf Romanautoren zu, sondern generell auf jeden, der Texte schreiben will oder muss. Was ganz deutlich wird: Schreiben ist für Jack London nichts, wofür man geboren sein muss, es ist ein Handwerk, das man mit Fleiß und Ausdauer erlernen kann.

Hier sind die Kernpunkte, die er für essentiell hält:

  • Konzentriere dich immer nur auf eine Geschichte, nicht auf mehrere parallel.
    In Martin Eden beschreibt Jack London seine Anfangsphase, in der er unzählige Manuskripte schrieb, die allesamt abgelehnt wurden.

  • Schreib nicht zu viel auf einmal. Setz dir für jeden Tag ein festes Pensum.
    Jack Londons Pensum waren 1000 Wörter am Tag (also ca. 3 Seiten Schriftgröße 12), die er am Vormittag schrieb, sogar während seiner versuchten Weltumseglung. Beeindruckende Disziplin.

  • Häng nicht herum und warte auf Inspiration, sondern mach dich mit einem Knüppel in der Hand auf die Fährte nach ihr. Und sogar wenn du sie nicht erwischt, wirst du am Ende etwas in der Hand haben, das ihr sehr ähnlich sieht.
    Schrott zu produzieren ist besser, als nichts zu produzieren. Und meistens ist es am Ende nicht einmal Schrott. Denn auch ohne einen genialen Einfall zu haben, kann man noch immer zumindest solides Handwerk abliefern. Jeder, der schon einmal eine Seminararbeit oder ähnliches schreiben musste, weiß, dass es das schwierigste ist, überhaupt erst anzufangen. Also fang mit irgendetwas an.

Don’t loaf and invite inspiration; Light out after it with a club, and if you don’t get it you will nonetheless get something that looks remarkably like it.

(Dieses berühmte Zitat klingt auf Englisch sehr viel besser als in meiner Übersetzung)
  • Studiere die erfolgreichen Autoren. Sie haben gemeistert, was du erreichen willst und machen etwas richtig. Finde selbst heraus, was es ist, warte nicht darauf, dass ein guter Samariter es dir erzählt.
    Du musst wissen, wohin du willst. Bestseller, oder schwer verkäufliche Germanistenprosa? Such dir deine Vorbilder gezielt aus, studiere was sie machen und lerne von ihnen.

  • Halte deinen Körper in guter Form.
    Selbstverständlich ist eine gute Gesundheit auch beim Schreiben und Denken förderlich.

  • Hab immer ein Notizbuch bei dir und schreib deine Gedanken auf. Notizen halten länger als Erinnerung.
    Erklärt sich von selbst. Verhindere, deine Ideen zu verlieren.
  • ARBEITE. Arbeite immer und lerne über die Welt.
    Nicht jeder ist gleichermaßen dafür gemacht, doch Jack London war für seine Rastlosigkeit bekannt. Ohne Arbeit keine Produktivität. Und je mehr du über die Welt weißt, desto besser kannst du über sie schreiben.

  • Du brauchst eine Philosophie [philosophy of life]. Es ist egal, ob und wie falsch sie ist, aber es ist notwendig eine zu haben.
    Wer das Werk Jack Londons kennt, der weiß, dass sich bestimmte Fragen und Aspekte immer wieder finden: Harte Arbeit, Sozialistische Ideen, Nietzsche, Evolutionsbiologie, …

Fazit: Die drei wichtigsten Faktoren sind eine gute Gesundheit, Arbeit und eine Philosophie. Dazu kommt Ernsthaftigkeit deiner Absichten. Du musst es wollen, sonst sind die anderen drei ohne Nutzen.

Jack London: “Getting Into Print,” The Editor, March 1903.
Den vollständigen Text könnt ihr zum Beispiel auf slate.com finden: Jack London’s Candid 1903 Advice to Writers Trying to Get Into Print

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