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Jasper Fforde – Der Fall Jane Eyre

Der Fall Jane Eyre baut eine kreative und zum Teil skurile Welt auf, in der die Literatur eine gigantische Rolle spielt. Das Buch rückt literarische Werke in den Mittelpunkt einer spannenden und vielseitigen Geschichte.

 

Der Inhalt: Rettet Jane Eyre!

Thursday Next lautet der Name unserer Heldin in Der Fall Jane Eyre. Thursday ist Mitte 30, sie hat im über 100 Jahre dauernden Krimkrieg ihren Bruder verloren und ist nun Mitglied der LitAg, einer von gut 30 englischen Spezialeinheiten. Spezialbereich der LitAg sind Verbrechen im Bereich Literatur, die im Alltag dieser Parallelwelt sehr viel wichtiger ist, als in unserer Welt.

Der Schurke Archeron Hades hat das ProsaPortal an sich gebracht, mit dem man Literatur betreten und wieder verlassen kann. Er droht damit, Jane Eyre aus dem Originalmanuskript von Charlotte Brochës Roman zu entführen und damit den Roman ohne seine Hauptfigur für immer zu verändern.

Wenn man hundert Millionen Jahre zurückreisen und den genetischen Code der ersten Säugetiere verändern könnte, sähen wir alle völlig anders aus. Das wäre in etwa dasselbe.

Millionen von Fans sind geschockt. Es ist Thursdays Aufgabe, Hades aufzuhalten, der dazu auch noch ihren Onkel in seiner Gewalt hat.

 

Daten zum Buch
Autor: Jasper Fforde
Titel: Der Fall Jane Eyre
Jahr: 2001
Seiten: 384
Verlag: dtv
Kaufen: Amazon (Affiliate-Link)

 

Ein Buch über Literatur

Das spannende an der Welt der Thursday Next-Reihe ist, wie sehr die Literatur im Mittelpunkt steht. Eine Spezialeinheit für literarische Verbrechen, Verschwörungstheorien und wahre Kulte um Autoren und Figuren, die aus ihren Büchern „herausgeholt“ werden. Man kann das ganze durchaus mit Die Stadt der träumenden Bücher von Walter Moers vergleichen, die Bücher sind sich gar nicht einmal unähnlich. Der Fall Jane Eyre ist ein Buch über Bücher, das damit spielt, dass es ein Buch ist.

Am Anfang eines jeden Kapitels steht ein kurzes Zitat aus einem fiktiven Buch oder Interview. Diese Zitate erklären uns manchmal Gegebenheiten und Besonderheiten der fiktiven Welt, manchmal kommentieren und verteidigen sie auch das, was die Protagonisten im nächsten Kapitel machen werden. Sie stammen zum Beispiel aus der Autobiografie „Ein Leben für die SecOps“ von Thursday Next selbst, oder aus „Eine kurze Geschichte des Special Operations Network“.

Der Fall Jane Eyre macht sich damit selbst zu einem Teil der fiktiven Welt. Ich fand das deshalb interessant, weil im Buch selbst auch noch einmal die Grenzen zwischen zwei Realitätsebenen, nämlich Romanwelt und Literatur, das Hauptproblem der Handlung sind.

In den vergangenen hundert Jahren sind die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit aus unbekannten Gründen zunehmend durchlässiger geworden.

Wir haben also Literarische Werke (in der Fiktion und real existent), die fiktionale Realität (Thursdays Parallelwelt, die eine Version unserer Welt ist) und unsere Realität, die alle auf verschiedene Weise mehrfach miteinander verwoben sind. (Habe ich schon erwähnt, dass in manchen Fällen auch Zeitreisen möglich sind, die ebenfalls Auswirkungen auf die Realität haben können? Eine weitere Ebene, es wird kompliziert.)

Der Fall Jane Eyre spielt mit Literatur, indem es Literatur zum Thema macht. (Der Vergleich mit Walter Moers ist also mehr als nur angebracht.)

Darüber hinaus ist es für alle, die mit solchen theoretischen Fragen nichts anfangen können (oder wollen), eine äußerst unterhaltsame Geschichte. Wenn man sich am Anfang erst einmal mit den Besonderheiten der Welt zurechtgefunden hat, wartet eine kreative und spannende Geschichte. Thursday ist eine ungewöhnliche Heldin und auch den Aufbau der Welt fand ich sehr erfrischend. Und anders als bei Die Flüsse von London, wo ich in meiner Rezension den Humor zu gewollt und erzwungen fand, hat Der Fall Jane Eyre eine gute Mischung zwischen subtilem und derbem Humor gefunden. Ich bin mir sicher, dass ich dabei viele der versteckten Anspielungen noch nicht einmal verstanden habe.

 

Ein Auszug aus Kapitel 7: 

„Ich habe festgestellt, daß mich in meinem Beruf fast alles etwas angeht. Einer Frau mit Ihren Fähigkeiten stehen sämtliche Türen offen, und da wollen Sie ausgerechnet nach Swindon? Ich habe das dunkle Gefühl, daß ein anderes Motiv dahintersteckt.“
„Und das steht wirklich alles in meiner Akte?“
„Aber ja.“
„Was für eine Augenfarbe habe ich?“
Schitt ignorierte meine Frage und trank einen Schluck Kaffee. „Kolumbianischer. Der beste, den es gibt. Sie glauben, daß Hades noch am Leben ist, Next. Ich glaube, Sie haben eine Ahnung, wo er steckt. Gehe ich recht in der Annahme, daß er in Swindon ist und Sie deswegen dorthin wollen?“
Ich sah ihm direkt in die Augen. „Nein. Ich will nach Hause, um mit mir selbst ins reine zu kommen.“
Jack Schitt ließ sich nicht überzeugen. „Für mich gibt es keinen Streß. Bloß schwache Menschen und starke Menschen. Und nur starke Menschen überleben Männer wie Hades. Sie sind eine sehr starke Frau.“
Er schwieg einen Augenblick.
„Falls Sie es sich anders überlegen, rufen Sie mich an. Aber seien Sie gewarnt. Ich behalte Sie im Auge.“

Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre

 

Kurzeinschätzung

Oben habe ich Der Fall Jane Eyre mit Walter Moers‘ Die Stadt der träumenden Bücher verglichen. Der Fall Jane Eyre hat auf mich etwas weniger Immersion ausgewirkt, daher kann ich es nicht auf die exakt selbe Stufe stellen, aber zumindest knapp darunter. Die Geschichte ist unterhaltsam und ihr Geld definitiv wert.

 

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