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Josef Haslinger – Opernball

Auf den Wiener Opernball wird ein Anschlag mit Giftgas verübt, bei dem tausende Menschen sterben. Alles wird live im Fernsehen übertragen, Millionen Zuschauer sehen die Gäste des Opernballs sterben. Hinter dem Attentat steckt eine kleine rechtsradikale Gruppe.
Der Journalist Kurt Fraser versucht den Anschlag aufzuarbeiten, bei dem er selbst seinen Sohn Fred verloren hat. Aus seinen Gesprächen mit verschiedenen Personen ergeben sich nach und nach die Hintergründe der Tat.

Zu Beginn des Buches hat sich die Katastrophe bereits ereignet. Kurt Fraser, Dokumentarjournalist, reflektiert über die Ereignisse des vergangenen Wiener Opernballs. Kurts Sohn war einer der Kameramänner des Events und zählt zu den Opfern.

Jedes der Kapitel des Buches ist ein Abschnitt aus einem der Gespräche, die Kurt mit Personen geführt hat, die in irgendeiner Form mit dem Anschlag verbunden sind. In diesen Interviews erzählen diese Personen aus ihrer Sicht, wie ihr Weg sie zum Opernball geführt hat und wie sie die Ereignisse rund um den Ball erlebt haben.
Seine Gesprächspartner sind:

  • Der „Ingenieur“: Einziger Überlebender der Attentäter und enger Vertrauter des „Geringsten“, des Oberhaupts der rechtsradikalen Gruppe.
  • Fritz Amon, Revierinspektor: Mitglied der Wiener Polizei mit zweifelhaften politischen Ansichten. Schimpft gerne über „Chaoten“ und „Giftler“. Ist am Abend des Opernballs auf der Straße gegen Demonstranten im Einsatz.
  • Claudia Röhler, Hausfrau: Begleitet ihren alten Vater zum Ball und überlebt deshalb, weil sie wegen eines versauten Kleids vorzeitig ins Hotel zurückkehrt.
  • Richard Schmidleitner, Fabrikant: Ein reicher und leicht dekadenter Industrieller, der den Ball für geschäftliche Vorteile nutzen wollte. Überlebt weil er einen ausländischen Stargast vom Flughafen abholt, als sich das Attentat ereignet.
  • Dazu kommen Kurt Frasers eigene Gedanken zu seiner Karriere als Journalist und der Beziehung zu seinem Sohn.

Der Anschlag auf den Opernball aus verschiedenen Perspektiven

Auf diese Weise ergeben sich nach und nach aus verschiedenen Perspektiven immer mehr Einblicke und Hintergründe.
Die Gruppe der „Entschlossenen“, wirkt an sich in ihrem Denken und mit ihren Saufgelagen banal und primitiv, doch ihr fanatischer Anführer, der „Geringste“, treibt sie bis hin zu eben jenem Attentat auf den Opernball. Als einer der ihren den Plan an die Polizei verrät, glaubt diese ihm nicht. Vielmehr gibt es in der Polizei selbst rechte Tendenzen, eine zweifelhafte Auffassung von Recht und Ordnung, sowie Machtmissbrauch.
Und dann ist da schließlich noch Kurt Fraser selbst. Er hat sich seinen Namen mit Kriegsdokumentationen gemacht, möglichst schockierende Bilder und die Sensationslust der Medien sind sein täglich Brot. Nun aber kommen ihm zuletzt sogar Zweifel, ob nicht sein Fernsehsender etwas mit dem Anschlag zu tun haben könnte, um eine Sensation zu senden.

Josef Haslingers Opernball ist definitiv ein lesenswertes Buch. Es gelingt ihm, den einzelnen Figuren jeweils ihren ganz eigenen Ton zu geben. Die sehr subjektiven Schilderungen mit einigen zynischen Kommentaren lassen beim Lesen trotz des düsteren Themas immer wieder grinsen.
Auch wenn der Anschlag selbst bereits am Beginn des Romans steht, bleibt das Buch bis zuletzt spannend. Man will wissen, wie das Attentat gelingen konnte und wie die Interviewpartner es überlebt haben.
Ich muss allerdings auch erwähnen, dass mich der Aufbau mit den verschiedenen Erzählperspektiven zunächst etwas verwirrt hat, da er zu Beginn nicht erklärt wird.

Haslinger schrieb Opernball im Jahr 1995. Es ist auf eine erschreckende Weise beeindruckend, dass die Themen Terrorismus, Ausländerfeindlichkeit und die Rolle der Medien heute vermutlich sogar noch aktueller sind, als bereits 1995. Dabei ist in Opernball allerdings nie der erhobene, mahnende Zeigefinger zu spüren, der die Atmosphäre nur stören würde.
Am Ende steht ein spannender Thriller mit einem durchaus realistischen Gesellschaftsporträt.

Die Daten zum Buch

Autor: Josef Haslinger
Titel: Opernball
Jahr: 1995
Seiten: 447
Verlag: Fischer
Kaufen: Verlag | Amazon (Affiliate-Link)

„Es sind doch nur Schwächlinge“, haben wir gesagt. „Die sind ein Furz, den wir, wenn er uns zu sehr stinkt, einfach durch das Fenster entlassen.“ Und wir haben darüber gelacht.

Josef Haslinger – Opernball
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