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Kingsley Amis – Jim im Glück

Jim im Glück soll zu den einflussreichsten Werken der Britischen Literatur der 50er Jahre zählen. Mir war das Werk völlig unbekannt. In Form einer Satire wehrt es sich gegen die eingefahrenen damaligen Zustände im akademischen Betrieb.
Ob Jim im Glück den versprochenen Status als „humoristisches Meisterwerk“ bestätigen konnte, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Frust und Pannen für Jim

Jim Dixon ist als Dozent für mittelalterliche Geschichte an einer Britischen Universität angestellt. Sein Traumjob ist es nicht. Viel eher ist er in das Fach hineingerutscht, weil Mediävistik sich als der Bereich mit angehört hatte, der nach am wenigsten Arbeit klang. Diesen Fakt zu verbergen hat natürlich oberste Priorität.

Dixon ist unter Druck, denn um seinen gefährdeten Posten zu festigen, wäre es dringend nötig, eine Zeitschrift zu finden, die einen seiner wissenschaftlichen Aufsätze veröffentlicht. Trotz der unbestreitbaren Relevanz „dieses seltsam vernachlässigten Themas“ erweist es sich als schwierig, einen zeitnahen Abnehmer für „Der ökonomische Einfluß der technischen Entwicklung im Schiffsbau von 1450 bis 1485“ zu finden.

Das oberflächliche, selbsteingenommene akademische Establishment mit seiner aufgesetzten Pseudointellektualität ist Jim eine Qual. Er fühlt sich unwohl mit dessen arroganter Attitüde, ständig die eigene Kultiviertheit und das eigene Wissen zur Schau stellen zu wollen. Oft sind sie für Jim nur mit Alkohol zu ertragen, sie langweilen ihn zu Tode und er fühlt sich als Außenseiter und Blender.
Doch um seinen Posten willen, versucht er, sich bei seinem Vorgesetzten Mr. Welch gut zu stellen. Während eines Kulturwochenendes bei Professor Welch und dessen Familie jagt jedoch ein Fettnäpfchen das nächste. Vor allem Mrs. Welch und der Sohn, Bertrand, sind danach schlecht auf Jim zu sprechen.

Dazu läuft es auch privat nicht nach Plan. Jims Beziehung zu Margaret ist äußerst unbefriedigend. Er hält sie nur aus Pflicht- und Schuldgefühl aufrecht, meint sich schon irgendwie damit zu arrangieren. Dabei hätte er mehr Interesse an Christine Callaghan, der Freundin von Bertrand Welch.

Der Roman findet seinen Höhepunkt in einer öffentlichen Vorlesung, die Jim sich seines Jobs willen von Welch hatte aufhalsen lassen. Jim versucht angesichts des hochrangigen Publikums, sich Mut anzutrinken, so dass die Veranstaltung nur in einer Katastrophe enden kann.

Angry Young Men und alte akademische Strukturen

Jim im Glück wurde mir als humoristisches Highlight angepriesen, doch wie so oft waren die Lobpreisungen überzogen. Das Buch ist definitiv kurzweilig und amüsant, aber es ist auch nicht so, als würde man ständig laut lachen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich persönlich generell beim Lesen generell schwer zu lautem Lachen zu bringen bin?

Generell stehen die Gags und die damit verbundene Kritik am akademischen Establishment in Jim im Glück im Vordergrund, weshalb mir auch der Plot ein, zweimal entglitten ist. (Warum muss er jetzt nochmal an dieser Veranstaltung teilnehmen?)

Mit eben dieser Kritik soll Jim im Glück tatsächlich eines der einflussreichsten Bücher der britischen Literatur in den 50er Jahren gewesen sein, es wird oft der damaligen Strömung der Angry Young Men zugeschrieben, die soziale Entfremdung und Klassenkonflikte thematisierten.
Ich kann das leider nicht beurteilen, da mir zu diesem Thema die Nähe fehlt.

Viele Elemente der Kritik an den universitären Strukturen dürften aber auch für den heutigen Leser noch nachvollziehbar sein. Forschung, die ziemlich belanglos und reiner Selbstzweck zu sein scheint (so wie Jims Aufsatz), eine in sich geschlossene Gesellschaftsschicht, in die schwer einzudringen ist, oder ein hier und da vorhandener Habitus affektierter, pseudointellektueller Selbstinszenierung – All das sind Dinge, die wir auch heute beobachten können.
Der ein oder andere kann sich in Jim Dixons Frustration damit wiederfinden.

Daß er all das gedacht hatte, ohne das Manuskript anzuzünden oder sich darauf zu übergeben, machte ihn in seinen Augen zu einem Heuchler und Idioten.

Kingsley Amis – Jim im Glück

Die Daten zum Buch

Autor: Kingsley Amis
Titel: Jim im Glück
Jahr: 1954
Seiten: 416
Verlag: Haffmans Verlag
Übersetzer: Steffen Jacobs
Kaufen: Verlag | Amazon (Affiliate-Link)

Hat jemand von euch bereits von Jim im Glück gehört?
Und was sind eure Erfahrungen mit den Marotten akademischer Kreise?

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