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Leo Perutz – Der Meister des Jüngsten Tages

Es ist ein Herbstag im Jahr 1909 als der Schauspieler Eugen Bischoff Selbstmord begeht. Seine letzten Worte: „Das Jüngste Gericht“
Wir lesen die Erinnerungen des Freiherrn von Yosch, der selbst verdächtigt wird, Bischoff in den Selbstmord getrieben zu haben, denn beim Toten wurde seine Pfeife gefunden, nachdem Yosch Teil eines gesellschaftlichen Abends am Tag des Mordes war.
Yosch und zwei andere Teilnehmer des Abends, Ingenieur Solgrub und Doktor Gorski machen sich auf die Suche nach dem, was zu Bischoffs Suizid geführt haben könnte. Bischoff hatte Geldprobleme, doch eine Spur führt sehr viel weiter zurück in die Vergangenheit. Eugen Bischoff bleibt nicht das einzige Opfer.

Zwischen Kriminalroman und Künstlerroman

Leo Perutz erzählt eine spannende Suche nach den Ursachen für eine mysteriöse Reihe an Selbstmorden. Die Opfer sind allesamt mit einer Form von Kunst verbunden. Perutz spielt hier auf einen bekannten Diskurs an. Gehören Kunst, Rausch und Wahnsinn zusammen? Muss der Künstler zwangsläufig daran scheitern, das Ideal der „perfekten“ Kunst zu erreichen? Diese Ansicht macht die Kunst zum Phänomen und den Künstler zu einer von Natur aus pathologischen Figur.
Die Erklärung für die Morde schließlich findet sich ebenfalls in der Kunst. Ein unerwarteter Plot Twist verschiebt sie in den Bereich der Fantastik und offenbart den wahren Meister des jüngsten Tages. Es war ein Mysterium, das dazu führte, Bischoff im Moment seines Todes von eben jenem „jüngsten Tag“ reden zu lassen.

Wie immer bei Perutz werden sämtliche Motive von Beginn an ganz beiläufig und unauffällig verwendet, doch erst mit der finalen Auflösung hebt sich der Schleier und ihre volle Bedeutung ergibt sich, als sich ein Element zum anderen fügt und Perutz‘ Konstruktion offenbart.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit anderen Werken Perutz‘ ist im Meister des jüngsten Tages die Dekonstruktion des Erzählers, bzw. der Hauptfigur. Zu Beginn versichert uns Yosch noch die Detailtreue und Ehrlichkeit seiner Erinnerungen. Yosch beteuert, wahrheitsgetreu von den Ereignissen dieses Tages im Jahr 1909 zu berichten. Nach und nach schleicht sich jedoch der Eindruck ein, er könne durchaus etwas zu verbergen haben. Es gipfelt im Nachwort eines namenlosen und fiktiven Herausgebers, der Yosch ganz offen anzweifelt. Doch warum sollte man nun diesem namenlosen Herausgeber mehr vertrauen als dem Erzähler Yosch?

Ich, ich selbst habe an meine Schuld geglaubt! – Wie ist das möglich? Eine Sinnestäuschung! Ein Wachtraum hat mich genarrt! Ein fremder Wille hat mich zwingen wollen, eine Tat auf mich zu nehmen, die ich nicht begangen habe.

Leo Perutz – Der Meister des Jüngsten Tages
Die Daten zum Buch
Autor: Leo Perutz
Titel: Der Meister des Jüngsten Tages
Jahr: 1923
Seiten: 207
Verlag: dtv
Kaufen: Amazon (Affiliate-Link)
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