Neal Stephenson – Cryptonomicon
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Cryptonomicon von Neal Stephenson ist ein außergewöhnlicher Roman. Nicht nur dass die Geschichte sehr umfangreich ist, der Roman ist dabei in breiten Teilen durchaus anspruchsvoll. Das „Science“ in Science Fiction – oder besser Historical Science Fiction darf hier wörtlich genommen werden.

Cryptonomicon ist ein umfangreicher Roman, dementsprechend komplex ist auch seine Struktur. Die Geschichte spielt in zwei verschiedenen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und verfügt über eine breite Auswahl an Figuren.

Dadurch ergeben sich mehrere Handlungsstränge, die alle miteinander im Zusammenhang stehen. Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich ständig ab. Informationen werden dabei so vermittelt, dass Entdeckungen oder Handlungen einer der zwei Zeitebenen dem Leser helfen, in der Folge auch die zweite Zeitebene besser zu verstehen.

Inhalt: Mit dem Cryptonomicon auf Goldsuche

Ein Teil der Geschichte spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Mathematiker Lawrence Waterhouse, Turing und Hacklheber arbeiten für ihre jeweilige Seite an eigenen Verschlüsselungssystemen und daran, die der Feinde zu knacken. Andere Figuren, so wie Bobby Shaftoe und Enoch Root müssen es für den Feind verschleiern, dass seine Kryptosysteme geknackt wurden. Daraus ergibt sich eine Reihe riskanter Einsätze und Geheimmissionen.

Starker Fokus liegt auf dem Kriegsschauplatz im Pazifik. General Douglas MacArthur ist damit beschäftigt, die Philippinen für die USA zurückzuerobern. Als langsam absehbar ist, dass der Krieg verloren ist, bringen die Nazis Teile ihrer Goldreserven mit U-Booten nach Japan. Die Japaner wiederum graben im Dschungel geheime Höhlensysteme, um das Gold der Nazis und ihr eigenes Gold unauffindbar zu verstecken. Einer der Ingenieure, die dafür zwangsverpflichtet werden, ist Goto Dengo.

Manche der japanischen Codes stellen die alliierten Kryptologen vor große Rätsel. Ihre besten Leute scheitern an ihnen. Der Code, der für die Nachrichten bezüglich des Goldes verwendet wird, gehört dazu.

Der zweite große Part von Cryptonomicon spielt in der Gegenwart. In diesem Fall bezeichnet „Gegenwart“ die zweite Hälfte der 90er Jahre. Randy Waterhouse ist mit seinen Geschäftspartnern dabei, eine Firma aufzubauen. Ihr Geschäftsbereich sind Netzwerk- und Verschlüsslungstechnik. Sie wollen Datenkabel verlegen und auf einem kleinen Pazifikstaat einen Datenhafen errichten.

Beim Verlegen eines der Unterseekabel finden die damit beauftragte Douglas und Amy Shaftoe ein gesunkenes Nazi-U-Boot. Darin finden sich nicht nur Verbindungen zu Randys Großvater Lawrence, sondern auch Hinweise auf Kriegsgold.

Die Suche nach dem Gold beginnt. Kann Randy den alten Code aus dem Zweiten Weltkrieg knacken? Zahlreiche Konkurrenten tauchen auf der Bildfläche auf. Nicht nur, dass finanzkräftige Rivalen versuchen, sein Unternehmen zu übernehmen, sie scheinen auch vom Gold der Japaner zu wissen.

Drei wichtige Motive der Geschichte

Das Crytonomicon

Das Cryptonomicon ist ein fiktionales Buch im Buch, eine Sammlung sämtlichen existierenden Wissens über Kryptographie.

Die meisten der Hauptfiguren sind Mathematiker oder Informatiker, die sich mehr oder weniger freiwillig mit dem Verschlüsseln von Informationen beschäftigen (müssen).

Der 2. Weltkrieg

Eine Hälfte von Cryptonomicon spielt zur Zeit des 2. Weltkriegs, mit Schwerpunkt auf den Pazifik.

Gegen Kriegsende versuchen Nazis und Japaner, ihre Goldreserven in Sicherheit zu bringen. Jahrzehnte später wird noch immer danach gesucht.

Verschlüsseln von Informationen

Im Krieg liefern sich Spezialisten einen erbitterten Wettkampf darum, Funksprüche zu verschlüsseln bzw zu knacken.

Jahrzehnte später ist die Kryptographie immer noch ein essentieller Teil der modernen Informationstechnologie und der Wirtschaftsspionage.

Meine Meinung zu Cryptonomicon

Man könnte sagen, dass Cryptonomicon ein Buch für Nerds ist – man würde damit auch nicht falsch liegen. Zumindest grundlegendes Interesse an Mathematik, Technologie oder Kryptologie ist äußerst hilfreich, ansonsten können Teile des Romans anstrengend werden.

Oft liefert Stephenson ausgedehnte Beispiele und Erklärungen für mathematische Hintergründe der Überlegungen seiner Figuren. Diese sind zumindest jederzeit gut nachvollziehbar und verständlich, aber ohne Interesse für das Thema eben auch schnell anstrengend.

Stephenson erzählt eine durchgehend spannende Geschichte. Vor allem die Weltkriegs-Storyline hat Pageturner-Potential. In der Gegenwarts-Zeitlinie dagegen wirken Teile der Handlung gelegentlich sprunghaft. Plötzliche Ortswechsel und das Überspringen mehrerer Wochen können für Verwirrung sorgen. Außerdem kommt es dadurch, dass der Roman so umfangreich ist und man zwangsläufig portionsweise liest, dazu, dass man unwichtigere Nebenfiguren zwischendurch auch mal vergisst.

Ein kleiner Negativpunkt ist auch das Ende. Auf mich hat es abrupt und unbefriedigend gewirkt, beinahe als hätte das Buch nun unbedingt zu einem Schluss gebracht werden müssen. Dabei wäre es auf 50 Seiten mehr nun auch nicht mehr angekommen.

Alles in allem ist Cryptonomicon empfehlenswert, wenn man auf der Suche nach einer spannenden Geschichte ist und sich für die Thematik begeistern kann. Trotz aller mathematisch-technischen Hintergründe wird der Roman nie holprig oder nur für Leser „vom Fach“ zu verstehen. Ganz im Gegenteil sorgen diese Elemente dafür, dass man es nicht mit anspruchsloser Genreliteratur zu tun hat, sondern beim Lesen immer wieder aktiv zum Mitdenken und Verstehen aufgefordert wird.

Der Autor: Neal Stephenson

Neal Stephenson (*1959) ist ein amerikanischer Autor. Er stammt aus einer Familie von Naturwissenschaftlern und studierte Geographie und Physik. Sein erster Roman wurde 1984 veröffentlicht, seinen Durchbruch hatte er 1992 mit Snow Crash.

Er gilt als wichtiger Vertreter des Cyperpunk-Genres, einer dystopischen Richtung der Science-Fiction. Häufige Themen seiner Werke sind historische Elemente, vermischt mit moderner oder futuristischer Technologie, oder Wissenschaften.

Website: www.nealstephenson.com/

Verschiedene Titel des Autors (Auswahl):

  • Cryptonomicon
  • Diamond Age
  • Snowcrash
  • Quicksilver

Daten und Links zum Buch

  • Autor: Neal Stephenson
  • Titel: Cryptonomicon
  • Übersetzer: Nikolaus Stingl +
    Juliane Gräbener-Müller
  • Verlag: Manhattan
  • Seiten: 1184
Cover zu: Neal Stephenson - Cryptonomicon

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