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Oscar Wilde – Das Gespenst von Canterville

Oscar Wilde konfrontiert fortschrittliche Amerikaner mit einer guten alten europäischen Tradition: Ein spukendes Schlossgespenst. Sind Amerikaner zu sehr Banausen, um Geister angemessen zu behandeln und sich zu fürchten, so wie es sich gehört?

Wenn ein Hausgespenst sie nicht weiter stört…

Der amerikanische Botschafter Mr. Otis kauft für sich und seine Familie das britische Schloss Canterville. Der Vorbesitzer weist ihn noch darauf hin, dass im Schloss ein altes Gespenst spukt, doch Mr. Otis glaubt nicht daran, denn „Gespenster, werter Herr, gibt es nicht.“  Als progressiver Amerikaner ist er zu modern für solchen Aberglauben.

Doch das Gespenst von Canterville existiert wirklich. Ein Fluch liegt auf ihm, der es dazu verdammt, ewig in Schloss Canterville zu bleiben und so versucht es, Familie Otis panische Angst einzujagen. Was Gespenster eben so tun. Doch die Otis‘ gehen ganz anders als alle bisherigen Schlossbewohner mit dem Gespenst um. Zwei Welten prallen aufeinander.

Der Botschafter der Vereinigten Staaten dagegen richtete den Revolver auf das Gespenst und rief ihm zu, kalifornischen Gepflogenheiten entsprechend, es solle die Hände hochheben!

Oscar Wilde – Das Gespenst von Canterville

Die Geschichte um das Gespenst ist sehr kurzweilig. Oscar Wilde lässt sich ein paar amüsante Seitenhiebe gegen Amerikaner und deren „Kultur“ nicht nehmen, dazu ist die Art wie Familie Otis mit dem Gespenst umgeht äußerst witzig.

Amerikanische Banausen ohne Kultur und Gespenster

Sich über Amerikaner lustig zu machen ist ein Europa beliebt. Heute wie damals. Bei Oscar Wilde ist es das Klischee des kulturlosen amerikanischen Banausen, das im Gespenst von Canterville für die Lacher sorgen soll.

Warum sollte sich ein Amerikaner auch für schnöde Schlossgespenster interessieren? Ein Gespenst ist etwas, das aus der Vergangenheit kommt, es ist ein Teil der alten Welt. Aber wie wir alle wissen, ist Amerika die Neue Welt.

Ein Amerikaner hat keine kulturelle Vergangenheit, alles wird neu gebaut! Außer Schlössern, die sind architektonisch aus der Mode. Was interessiert ihn daher staubiger Spuk aus eben jener Vergangenheit, die in Europa überall präsent ist? Eben: Kein bisschen! Well played, Oscar Wilde, immer feste drauf auf diese kulturlosen Flegel.

Was der Amerikaner kennt, das ist Future! Innovation! Technology! Für übernatürliche Märchen ist da natürlich kein Platz mehr. Und selbst wenn es tatsächlich ein Gespenst geben sollte, dann ist es eben da, genauso wie ein nervender Nachbar da ist, oder ein seniler Großvater. Irgendwie kann man sich schon mit ihm arrangieren.

Etwas ignorant ist es ja schon, keinen Respekt mehr vor der alten Tradition zu haben, dass man sich vor jahrhundertealten Geistern zu fürchten hat. Wenigstens ein bisschen Angst wäre angebracht, allein aus Anstand. Aber nein, der Mister ist zu fortschrittlich dafür.

Aber man muss ihm zugute halten, dass es uns am Ende vorangebracht hat, den Glauben an das Übernatürliche irgendwann anzuzweifeln. Sonst würden wir wohl heute noch Hexen verbrennen oder ähnliche Späße. Vermutlich live auf RTL. (Die Einschaltquoten wären gigantisch.)
Andererseits: Ein bisschen schade ist es ja schon, denn hat so ein Gespenst nicht auch etwas romantisches?

Überdies war niemals ein Gespenst so behandelt worden, das stand historisch fest.

Oscar Wilde – Das Gespenst von Canterville

Die Daten zum Buch

Autor: Oscar Wilde
Titel: Das Gespenst von Canterville
Jahr: 1887
Seiten: 83
Verlag: Reclam
Übersetzer: Ernst Sander
Kaufen: Verlag | Amazon(Affiliate-Link)

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