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Walter Moers – Weihnachten auf der Lindwurmfeste

Hildegunst von Mythenmetz, seinerseits der erfolgreichste Schriftsteller Zamoniens, schreibt von seinem Kuraufenthalt aus einen Brief an seinen alten Freund Hachmed Ben Kibitzer. Darin erzählt Mythenmetz von einem alten Brauch der zamonischen Lindwürmer, dem sogenannten jährlichen Hamoulimepp.
Wie schon der Buchtitel erahnen lässt, ist das Hamoulimepp eine Art Weihnachtsfest. Mythenmetz beschreibt das Fest mitsammt seiner teils widersprüchlichen und skurrilen Bräuche und natürlich lässt er es sich nicht nehmen, genau mitzuteilen, was er von all dem hält.

Mythenmetz‘ ganz eigene Ansichten

Es ist Mythenmetz, der hier spricht, das ist von der ersten Seite an klar. Der Ton, mit dem er die „Bankrotterklärung der gesamten so hoch geschätzten Lindwurmkultur“ beklagt, ist wieder exakt der nörgelige, überhebliche und besserwisserische Ton, der den Mythenmetz seit Ensel und Krete auszeichnet.

Das Hamoulimepp ist deutlich erkennbar von unserem Weihnachten inspiriert. Manche der Ähnlichkeiten sind recht deutlich, andere dagegen sind kreativer verpackt. Diese speziell zamonischen Absurditäten konnten, zusammen mit Mythenmetz‘ Privatansichten und seinem miesepetrigen, beinahe verzweifelten Blick auf das Fest letztendlich für den ein oder anderen Lacher sorgen.

Es ist jedes Mal so, als habe eine Geisteskrankheit in Gestalt einer unsichtbaren Wolke die Lindwurmfeste eingehüllt und sämtliche Bewohner kollektiv um den Verstand gebracht. Mit einer einzigen Ausnahme: Denn ich bin vollkommen gegen Hamoulimepp resistent.

Walter Moers – Weihnachten auf der Lindwurmfeste

Ein Brief, kein Roman!

Man muss sich beim neuen Moers bewusst sein, dass man einen Brief vor sich hat, keinen Roman. Wer eine spannende Geschichte mit klassischer Handlung erwartet, der wird ansonsten enttäuscht werden. Weihnachten auf der Lindwurmfeste ist ein Häppchen, das Zamonien um ein paar bunte Facetten erweitert.
Nach Prinzessin Insomnia wird hier wieder ein deutlich humorvollerer Ton angeschlagen.
Am besten lässt sich das Buch wohl mit einer der Abschweifungen vergleichen, die der zamonienkundige Leser aus Ensel und Krete kennt. Immerhin beschließt Mythenmetz selbst den Brief mit: „Ende meiner Hamoulimeppabschweifung.“

Entsprechend übersichtlich fällt auch der Umfang des Buchs aus. Die angegebenen 112 Seiten sind arg großzügig gerechnet, sie beinhalten eine Leseprobe, anfängliche Namenserklärungen und mehrere angehängte Seiten mit Illustrationen. Der tatsächliche Text erstreckt sich auf circa 50 Seiten, so dass der Eindruck bleibt, dass man hier etwas strecken wollte. Dieser Kritikpunkt lässt sich nicht umgehen.


Die Gestaltung des Buchs ist, wie man es von den Zamonienromanen gewohnt ist, optisch ansprechend und in diesem Fall komplett in Briefoptik gehalten. 
Persönlich finde ich es ein wenig schade, dass die Illustrationen von Lydia Rode am Ende des Textes gesammelt, statt in den Text eingearbeitet sind.


Die Daten zum Buch
Autor: Walter Moers
Titel: Weihnachten auf der Lindwurmfeste
Jahr: 2018
Seiten: 112
Verlag: Penguin
Kaufen: Amazon (Affiliate-Link)


Hinweis: 
Ich habe dieses Buch als kostenloses Exemplar vom Verlag erhalten. Das Werbebudget des Verlags war allerdings nicht groß genug um meine Meinung zu kaufen, daher bleibt sie unverfälscht.

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