Jules Verne – In 80 Tagen um die Welt

In 80 Tagen um die Welt ist ein sehr bekanntes Buch, das bereits mehrmals verfilmt wurde. Ich kannte es tatsächlich noch nicht, daher hat es mich gereizt, es zu lesen.

 

Der Inhalt: Eine Reise als Wette

Phileas Fogg ist ein Gentleman, der dafür bekannt ist, pedantisch an seinem festen und relativ langweiligen Tagesablauf festzuhalten. Eines Tages aber schließt er eine Wette mit anderen Gentlemen des Reform Club ab, dass er in höchstens 80 Tagen um die Welt reisen könne. Der Einsatz sind 20.000 Pfund. Verliert er, wäre Fogg ruiniert.

Gemeinsam mit seinem französischen Diener Passepartout bricht Fogg auf, die Welt zu umreisen. Größere Verspätungen kann Fogg sich nicht erlauben, ansonsten würde er die nötigen Züge oder Schiffe verpassen und sein Vorhaben würde scheitern. Eine weitere Gefahr ist der englische Inspektor Mr. Fix, der Mr. Fogg für einen Bankräuber hält, den er festnehmen will. Er muss jedoch zuvor auf einen richterlichen Haftbefehl warten und so folgt er dem Gentleman und seinem Diener auf ihrer Reise um die Welt.

 

Auszug aus Kapitel 7: 

Mit Hilfe dieser methodischen Auflistung war Mr. Fogg über alles im Bilde und wusste stets, ob er einen Vorsprung hatte oder hinter seinem Zeitplan zurückgeblieben war.
Und so notierte er an diesem Mittwoch, dem 9. Oktober, die Ankunftszeit in Suez, die absolut planmäßig war und weder einen Vorsprung noch eine Verspätung bedeutete.
Anschließend ließ er sich in seiner Kabine das Mittagessen servieren. Die Stadt zu besichtigen kam ihm erst gar nicht in den Sinn, da er zu jener Sorte von Engländern gehörte, die die Länder, durch die sie reisen, von ihren Bediensteten besichtigen lassen.

Jules Verne: In 80 Tagen um die Welt

 

Daten zum Buch
Autor: Jules Verne
Titel: In 80 Tagen um die Welt
Jahr: 1873
Seiten: 366
Verlag: dtv
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Links die Reiseroute
(Anklicken zum Vergrößern)

 

Was die Reise zum Abenteuer macht

In unserer Zeit locken 80 Tage natürlich keinen alten Hund mehr von hinter dem Ofen hervor, doch für das Umfeld von Phileas Fogg ist sein Vorhaben mehr als nur ambitioniert, der Reiseplan grenzt an eine Unmöglichkeit. Die Welt wurde erst nach und nach einfacher bereisbar, es war nicht mehr nur Händlern, Seefahrern und Entdeckern vorbehalten, bis in ihre letzten Winkel vorzudringen. Reisen um des Reisens willen war nicht das Phänomen, das es heute ist, wo man höchstens dann schief angeschaut wird, wenn man nicht reist.

Phileas selbst hat dabei gar kein Interesse an den Ländern, die er besucht. Für ihn zählt nur, die Strecke in der vorgegebenen Zeit pünktlich zurückzulegen. Pedantische Pünktlichkeit und die typisch stoische stiff upper lip eines englischen Gentleman sind seine Generaltugenden. (Was unter uns gesagt purer Wahnsinn ist. Wer, der recht bei Verstand ist, würde auf die Pünktlichkeit von Zügen wetten und dabei nicht nervös werden?)

Ganz im Gegensatz dazu ist sein Diener, Passepartout, der aufgedreht und im Hinblick auf die Zeit beinahe panisch ist. Er kontrastiert als nervöser Franzose den ruhigen Engländer. Gegensätzliche Charaktereigenschaften und gelegentliche Anspielungen auf Klischees bestimmter Nationen und Berufsstände sind es, die In 80 Tagen um die Welt einen charmanten Witz verleihen.

Darüber hinaus erzeugen sie, gerade im Fall von Passepartout, die Dynamik, die die Handlung erst spannend macht. Ohne den übereifrigen Inspektor Fix und den hibbeligen Passepartout wäre die Reise von Phileas Fogg um einiges ärmer an Hindernissen und Ereignisen. Damit wäre sie problemloser, aber für uns Leser auch sehr viel weniger unterhaltsam.

Die dtv-Ausgabe kommt mit den hübschen Originalillustrationen und hat, wie die meisten Klassiker bei dtv, einen ausführlichen und informativen Anhang mit Hintergründen und Begriffserläuterungen.

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