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George Orwell – Farm der Tiere

Was muss man kontrollieren, um aus einer eigentlich gut gemeinten Idee ein autoritäres Schweinesystem zu machen?
George Orwells Fabel Farm der Tiere ist ein Klassiker der Weltliteratur, den jeder unbedingt kennen muss. In einer bitterbösen Satire auf die Ereignisse in der Sowjetunion zeigt die Geschichte die stärkste Waffe eines totalitären Regime, die auch heute kein Stück ihres Potentials verloren hat.

 

Von der Revolution zur Diktatur

Die Tiere der „Herrenfarm“ haben genug davon, von ihrem Bauern beherrscht zu werden. Sie rufen die Revolution aus und stürzen das etablierte Regime. Aus der „Herrenfarm“ wird die „Farm der Tiere“. Dabei leiten sie die Ideale des Animalismus. Die Gemeinschaft soll Wohlstand für alle bringen, denn alle Tiere sind gleich.

Doch unbemerkt von den Tieren wandelt sich das System: Die Schweine errichten peu à peu ein tyrannisches Regime um den Führer Napoleon. Während alle anderen Tiere jedes Jahr härter arbeiten und weniger Futter haben, suhlen sich die Schweine im Wohlstand. Manche sind eben gleicher.

Auszug aus Kapitel 7:

In ihrer Bosheit behaupteten die Menschenwesen, nicht daran zu glauben, dass Schneeball es gewesen sei, der den Turm zerstört habe: sie sagten, er sei zusammengestürzt, weil die Mauern zu dünn gewesen wären. Die Tiere wussten, dass es sich anders verhielt. Dennoch wurde beschlossen, die Mauern diesmal drei Fuß dick zu bauen und nicht, wie vorher, nur achtzehn Zoll. Das bedeutete, dass noch weit größere Mengen von Steinen herangeschafft werden mussten. Lange Zeit lag der Steinbruch unter Schneetriften, und man konnte nicht arbeiten. Bei dem trockenen, kalten Wetter, das folgte, konnten manche Fortschritte erzielt werden, aber es war ein grausam hartes Werk und die Tiere waren nicht mehr so hoffnungsvoll wie vorher. Sie froren ständig und waren gewöhnlich auch hungrig. Nur Boxer und Clover verloren den Mut nicht. Quiekschnauz hielt hervorragende Reden über die Freude des Dienens und die Würde der Arbeit, aber die anderen Tiere fanden mehr Ermutigung in Boxers Kraft und seinem niemals verzagenden Ruf: „Ich will noch härter arbeiten!“George Orwell: Farm der Tiere

 

Kurzeinschätzung

Animal Farm ist ein tolles Buch und zu Recht ein Klassiker der Weltliteratur. Als Leser leidet man beinahe mit den Tieren mit, die an ihre Ideale glauben, aber dabei nur ausgenutzt werden. Oder man schmunzelt ob ihrer Gutgläubigkeit überheblich: „also MIR wäre das nicht passiert“. Je nachdem.
Als Fabel bringt die Geschichte ihre Botschaft einfach aber klar rüber.

 

Daten zum Buch
Autor: George Orwell
Titel: Farm der Tiere
Jahr: 1945
Seiten: 144
Verlag: Diogenes
Kaufen: Amazon (Affiliate-Link)

 

Wie man die Macht ergreift und Konkurrenz ausschaltet

Wie schaffen es die Schweine, das ursprünglich kooperative Unternehmen zu ihrem eigenen Vorteil umzubauen?

Das eine, offensichtliche, Mittel sind die Hunde. Mit ihnen beherrscht Napoleon das Gewaltmonopol der Farm, er kann beseitigen lassen, wen er will, und die Macht der Furcht für sich nutzen.

Noch sehr viel wichtiger aber ist die Kontrolle der Gedanken. Die Ideale des Animalismus werden groß an die Wand geschrieben, doch die meisten Tiere können gar nicht lesen. Die Tiere sind nicht in der Lage, die Ideologie zu verstehen und damit bleibt die Kontrolle über die Prinzipien der Farm in den Händen der Schweine. Sie geben sich damit zufrieden, die sieben Gebote auf die eine Parole zu vereinfachen, die die Schafe stundenlang ergeben blöken: „Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht“.
Für alle Fragen, die darüber hinaus gehen, werden die Schweine gefragt, denen die Tiere blind vertrauen. Wer hätte denn ahnen können, dass die ihre Deutungshoheit zu ihrem eigenen Vorteil nutzen?

Die Schweine kontrollieren, was Wahrheit ist, und wenn die alte Wahrheit nicht mehr zu ihren Interessen passt, dann wird sie eben geändert. Gebetsmühlenartige Parolen und Rituale lehren den Tieren, was sie denken sollen. Propagandaminister Quiekschnautz erklärt, was gerade warum wahr ist. Hinterfragt wird es von niemandem und sollte doch jemand andere Ansichten haben, gibt es immer noch die Hunde.

Wer die Kommunikation kontrolliert, der kontrolliert die Wahrheit. Wer das tut, der kann eine Wahrheit schaffen, ganz nach seinem eigenen Gutdünken und zum eigenen Vorteil. Ohne freie Kommunikation gibt es keinen Wettbewerb verschiedener Ideen, in dem sich durchsetzt, was tatsächlich die beste Lösung ist.
In einer Zeit, in der Menschen, gerade im Internet, häufig für ihre Meinung angegriffen werden, dürfen wir das nicht vergessen.

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