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William Golding – Herr der Fliegen

In jedem von uns steckt ein Teufel, auch in unschuldigen Kindern. Es ist Teil unserer Natur. In Herr der Fliegen verfolgen wir die Entwicklung einer gestrandeten Gruppe Schüler hin zu wilden Bestien.

 

Der Inhalt: Battle Royale im Pazifik

Über dem Pazifik stürzt ein Flugzeug ab. Die einzigen Überlebenden sind eine Gruppe von Jungen im Alter von sechs bis zwölf. Sie stranden auf einer unbekannten und unbewohnten Insel. Ihre einzige Chance, gerettet zu werden, ist, ein Feuer zu machen, damit sie gesehen werden.

Der Anführer der Gruppe soll Ralph sein. In Jack, dem Anführer der Jäger, hat er einen eifersüchtigen Konkurrenten. Viele der kleineren begreifen den Ernst der Lage nicht, und sehen alles als ein großes Spiel. Die Streitereien innerhalb der Gruppe kochen immer weiter hoch, und irgendwann kommt es zum Mord.

 

Auszug aus Kapitel 7: 

„Das war’n feines Spiel!“
„Ja, nur ein Spiel“, sagte Ralph unsicher. „Ich bin beim Rugby auch mal schwer verletzt worden -“
„Wir müssten eine Trommel haben“, sagte Maurice, „dann wär’s erst richtig.“
Ralph blickte ihn an. „Wie richtig?“
„Ich weiß nicht so wie. Wir brauchen ein Feuer und eine Trommel, und dann geht alles im Takt.“
„Und’n Schwein brauchen wir“, sagte Robert, „wie bei ’ner richtigen Jagd.“
„Oder jemand, der das Schwein macht“, sagte Jack. „Einer müsste sich verstellen als Schwein und dann so tun, als ob er mich umwerfen wollte und so -“
„Ihr braucht’n richtiges Schwein“, sagte Robert, der sich noch immer das Gesäß rieb, „weil ihr’s totschlagen wollt.“
„Da nehmen wir einen von den Kleinen“, sagte Jack, und alles lachte.

William Golding: Herr der Fliegen

 

Kurzeinschätzung

Es war bemerkenswert, welche Atmosphäre das Buch aufgebaut hat. Hinter dem Inselalptraum verbirgt sich eine Aussage über die Natur des Menschen. Herr der Fliegen ist definitiv ein Buch, das man „mal gelesen haben sollte“.

Anmerkung: Meine Ausgabe war die alte Übersetzung. Zur Qualität der neuen kann ich nichts sagen, sie soll aber sehr gut sein.

 

Stecht das Tier!
Macht es tot!
Blut fließt rot!
Daten zum Buch
Autor: William Golding
Titel: Herr der Fliegen
Jahr: 1954
Seiten: 282
Verlag: Fischer
Kaufen: Amazon (Affiliate-Link)

 

Was das Buch so beklemmend sein lässt

Das faszinierende an Herr der Fliegen ist die Atmosphäre, die von Anfang an aufgebaut wird. Der Erzähler fokussiert sich auf die Sicht von Ralph, einem der älteren und vernünftigeren der Kinder. Aber auch er ist erst 12 Jahre alt und deshalb eingeschränkt in dem, was er machen kann. Dazu ist auch Ralph nicht der intelligenteste. Am klügsten ist Piggy, doch weil er ein dicker Asthmatiker mit Brille ist, wird er von den anderen Kindern nur verspottet.

Das Dumme war, als Anführer musste man denken, schlau sein.

Aus unserer erwachsenen Perspektive ist das unglaublich frustrierend. Ein Haufen Kinder, die auf einer einsamen Insel gestrandet sind, und die einzigen, die auf die Rettung der Gruppe hinarbeiten, werden ignoriert, weil der Rest lieber am Strand liegen oder spielen will. Wir wissen, dass es besser wäre, würde sich die Vernunft durchsetzen, doch ihr fehlt das nötige Machtpotential dazu.

Wie Ralph erleben wir Leser hilflos mit, wie die Situation immer weiter eskaliert. In den unschuldigen Kindern erwacht das wilde Tier, in Ekstase, die durch das Kollektiv geschürt wird, verzichten sie auf jedes Reflektieren und werden gefährlich. Zu Beginn haben sie noch Hemmungen, ein wildes Schwein zu jagen, doch sie verändern sich schnell. Nach und nach legen die Kinder ihre Schuluniform und andere Merkmale von Zivilisation ab, und ersetzen sie durch Holzspeer und Kriegsbemalung. Die Insel, die Potential hat, ein Südseeparadies zu sein, wird zum Überlebenskampf.

Die schützende Bemalung machte frei, hemmungslos frei.

Aus diesen Dingen ergibt sich im Herr der Fliegen eine beklemmende Ohnmacht, die auch den Leser ergreift.

 

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