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[11/100] Jack London – Martin Eden

Martin Eden wird oft als autobiografischer Roman Jack Londons gelesen. Das kommt daher, da es zwischen dem Protagonisten Martin Eden und dem Lebenslauf Jack Londons einige Parallelen gibt. Das Buch als tatsächliche Autobiografie zu sehen, wäre allerdings zu viel.

Martin Eden spielt Ende des 19. Jahrhunderts an der Westküste der USA. Der Matrose Martin Eden wird in das Haus der wohlhabenden Familie Morse eingeladen nachdem er einen Sohn des Hauses, Arthur Morse, aus einer Schlägerei gerettet hat. Er betritt eine fremde Welt, denn Martin stammt aus der Arbeiterklasse, er hat keinen Schulabschluss und ist an Armut und harte, körperliche Arbeit gewohnt.

Die Klassenunterschiede sind eines der zentralen Themen in Martin Eden. Jack London kritisiert die Bourgeoisie an vielen Stellen hart. Zuerst ist der Protagonist noch begeistert, doch später bemerkt er, dass dieser Lebensstil voller Oberflächlichkeiten und Plattitüden ist. Jeder Dummschätzer hat seien Platz, das Leben ist nicht real, es ist künstlich.

Aber es gab etwas in diesem Bericht, das seinem Sinn für die Schönheit des Lebens extrem widersprach. Er fand kein angemessenes Motiv für Mr. Butlers knausriges Leben voller Entbehrungen. Wenn er das alles für die Liebe einer Frau getan hätte oder zur Erlangung von Schönheit, hätte Martin das verstanden. Gottes rasender Liebender hätte alles getan für einen Kuss, aber doch nicht für dreißigtausend im Jahr.

Jack London – Martin Eden

Bei seinem Besuch im Haus Morse verliebt Martin sich auf den ersten Blick in Ruth und auch sie fühlt sich von ihm angezogen, was ihr erst später richtig klar wird.
Martin beschließt, dass er für Ruth gut genug werden muss, um die Klassenunterschiede zu überwinden und so entdeckt er die Bücher für sich. Er beginnt, sich selbst in sämtlichen verschiedenen Themengebieten zu bilden, Martin wird zum Stammgast in der Bibliothek. (Eine weitere Parallele zum Leben Jack Londons) Besonders angetan hat es ihm die Literatur.

Als Martin erfährt, dass man als Schriftsteller sehr viel mehr verdienen kann, als in seinen bisherigen Fabrik- und Matrosenjobs, wo er für 10Cent pro Stunde schuften musste, entscheidet er sich, sein Glück als Schriftsteller zu versuchen. Wie ein Tollwütiger stürzt er sich in die Arbeit und beginnt Berge an Manuskripten zu schreiben.
Sein Umfeld glaubt nicht an ihn. Seine Schwestern nötigen ihn, sich endlich einen „richtigen“ Job zu suchen, ebenso Ruth und ihre Familie. Martins andauernde Armut und seine Weigerung sich anzupassen führen zu immer stärkeren Spannungen.

Was um alles in der Welt willst du mit einer Tochter der Bourgeoisie? Solche kannst du in Ruhe lassen. Such dir eine großherzige, sinnliche Flamme, die das Leben anlacht, den Tod verspottet und dich liebt, solange sie kann.

Jack London – Martin Eden

Als nun gebildeter Mensch hebt Martin sich von seiner alten Klasse ab. Doch auch der Bourgeoisie fühlt er sich nicht zugehörig, er lehnt ihre Ansichten und ihre Attitüde ab. Martin Eden ist in dieser Hinsicht ein heimatloser.

Neben den Klassenunterschieden ist ist weiteres großes Thema des Romans Nietzsches Idee des Übermenschen, die Jack London auch schon im Seewolf aufgreift.
Martin ist dieser Übermensch, er weigert sich, sich der Sklavenmoral der Massen zu ergeben und sich einen gewöhnlichen Job zu suchen. Er glaubt an die überlegene Qualität seiner Manuskripte, ihre innere Schönheit, die die Kritiker nur nicht erkennen können. Sein Streben ist einzig dem eigenen Erfolg zugeneigt. Am Ende führt diese Einstellung (und hier ist Jack Londons Kritik an Nietzsche) dazu, dass Martin Eden einen hohen Preis zahlen muss.

Jack London hat so einige gute Romane geschrieben und dieser hier ist einer der Besten. Mit einer ähnlichen Sprachgewalt schreiben nur wenige Autoren. Liebesrausch, kraftstrotzende Zielstrebigkeit, künstlerische Ekstase, Verzweiflung und Tristesse. Alle Episoden aus Martin Edens Leben erzählt Jack London mit einer Sprache, die kaum energievoller sein könnte.
Trotz der philosophischen und gesellschaftskritischen Themen, die verarbeitet sind, lässt sich das Buch als lockere Lebens- und Liebesgeschichte lesen. Das Tiefgründige wird dem Leser nicht aufgezwungen.

Auch Martin Eden ist von Lutz-W. Wolff neu übersetzt worden und auch hier hat er wieder großartige Arbeit abgeliefert.

Kunst ist es keine, aber dafür ist es ein Dollar.

Jack London – Martin Eden
Die Daten zum Buch
Autor: Jack London
Titel: Martin Eden
Jahr: 1909
Seiten: 526
Verlag: dtv
Übersetzer: Lutz-W. Wolff
Kaufen: Amazon (Affiliate-Link)
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